November

Eventbild für NRW.BANK.Kunstpreis erstmalig in Düsseldorf vergeben
(v. l.): NRW.BANK-Vorstandsvorsitzender Eckhard Forst, René Haustein, Jury-Mitglied Kristina Scepanski, Heiko Schäfer, Julian Reiser, Masako Kato und NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.

NRW.BANK.Kunstpreis erstmalig in Düsseldorf vergeben


Drei Studierende der Kunstakademie Münster ausgezeichnet

Zum ersten Mal wurde im Oktober 2017 der NRW.BANK.Kunstpreis vergeben. Fünf Gewinner, darunter drei Studierende der Kunstakademie Münster, teilen sich die Preisgelder in Höhe von 33.000 Euro. Überreicht wurden die Preise von NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und NRW.BANK-Vorstandsvorsitzender Eckhard Forst. Die Auswahl der Preisträger traf eine Jury aus Fachexperten - nominiert wurden die jungen Künstler von ihren Hochschulen. Der NRW.BANK.Kunstpreis wird ab sofort jedes Jahr ausgelobt, die dazugehörige Ausstellung findet im Wechsel in Düsseldorf und Münster statt.

In der Kategorie "Malerei & Grafik" gewann Julian Reiser von der Kunstakademie Münster, mit seinem Werk Fiat I-III. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
In der Sparte "Skulptur & Installation" entschied sich die Jury für René Haustein von der Kunstakademie Münster mit seiner Installation quinitilliquinquaquinquagintaquingentillion. Der Preis ist ebenfalls mit 10.000 Euro dotiert.
Den Preis in der Kategorie "Foto & Medienkunst" teilen sich Masako Kato, ebenfalls von der Kunstakademie Münster, mit ihrem Video Wartezeit und Heiko Schäfer von der Kunstakademie Düsseldorf, mit seiner Buch-Arbeit Travailler avec les chariot bobines. Die Preise sind mit je 5.000 Euro dotiert.
Über den Publikumspreis freute sich Elizaveta Podgornaia von der Folkwang Universität der Künste, Essen. Er ist mit 3.000 Euro dotiert.

Teilgenommen haben die Kunstakademien Düsseldorf und Münster sowie die Folkwang Universität der Künste in Essen. Teilnehmen durften Studierende und Absolventen, deren Abschluss nicht länger als sechs Monate zurücklag. Die Auswahl der Preisträger erfolgte durch eine Jury namhafter Experten: Andreas Beitin, Direktor Ludwig Forum Aachen, Rita Kersting, Stellvertretende Direktorin Museum Ludwig Köln, Dieter Kiessling, Fotograf und ehemaliger Rektor Kunsthochschule Mainz, Kristina Scepanski, Direktorin Westfälischer Kunstverein Münster, Eckhard Forst, Vorstandsvorsitzender NRW.BANK

Jurybegründungen

Julian Reiser
Julian Reiser erprobt in seiner dreiteiligen Serie Fiat, lat. für "es werde", automatisierte Malprozesse, indem er einer 3D-Fräse mit selbst gebautem Pinselaufsatz das Malen auf den je 1qm großen ungrundierten Leinwänden überlässt. Mit Filzstift oder Ölfarbe entstehen monochrom-schwarze geometrische Formen, die sich akkurat übereinander staffeln und zugleich die Kontur der maßgefertigten Rahmen vorgeben. Es gelingt ihm, Malerei-immanente Fragen nach Genie und Handwerklichkeit mit aktuellen Tendenzen der Automatisierung in Gesellschaft und Arbeitsleben zu verknüpfen. Reisers Gemälde zeichnen sich dadurch aus, dass sie eben nicht nur reines Abbild dieser Beobachtungen sind, sondern vielmehr die inhaltlich thematisierten Prozesse von Technologisierung sowie digitaler Bildverwertung und -verarbeitung verkörpern. Diese gelungene Verquickung von Inhalt und Formgebung, von Konzept und Ausführung stellt eine äußerst zeitgemäße Malereiposition dar, die die Jury für unbedingt auszeichnungswürdig hält.

René Haustein
In der Sparte "Skulptur & Installation" hat sich die Jury für die Arbeit quinitilliquinquaquinquagintaquingentillion von René Haustein ausgesprochen, da er auf innovative Weise materielle Transformationsprozesse sicht- und vor allem hörbar macht. Der Ton, als klassisches Material der Bildhauer, wird nicht in seiner eigentlichen materiellen Beschaffenheit für die plastische Gestaltung von Formen verwendet, sondern als geradezu dadaistischer 'Produzent' von Sound: Unter Wasser getaucht und mit Mikrofon und Verstärker ausgestattet, generiert das Material unterschiedlichste Geräusche, die ein vielfältiges Assoziationsfeld bieten, das von maschinellen, über tierische bis hin zu menschlichen Klängen reicht. Der prozessuale wiederkehrende Ablauf von sich im Wasser auflösendem, tonproduzierenden Material und wieder zu festen Formen werdend, stellt darüber hinaus ein existentielles Motiv dar.

Masako Kato
Mit eigenartiger Sensibilität komponiert Masako Kato einen simplen Raum, in den Figuren eindringen, die zugleich zielgerichtet und verwirrt auf zwei Türen zuströmen und dahinter verschwinden. Die aus Fotos von Vogelrümpfen und Personen-Torsi farbig collagierten Figuren werden von Männern empfangen, die ebenso wie der Raum mit Bleistift gezeichnet sind. Das ruckelige, ein bisschen traumhafte, kurze Animationsvideo Wartezeit bezieht sich mit seinen sachlichen und irrealen Elementen auf einen Amtsalltag zwischen existentieller Bedeutung und Routine. "Eine Angelegenheit zu betrachten und sie als Fragestellung zur menschlichen Natur zu übersetzen, ist der Kern meiner künstlerischen Arbeit."

Heiko Schäfer
Der Künstler Heiko Schäfer wird für seine Fotoarbeit Travailler avec les chariot bobines ausgezeichnet. Das Projekt entstand in einem Zeitraum von drei Jahren in der Stadt Calais in Nordfrankreich und thematisiert eines der traditionsreichsten in Calais ausgeübten Handwerke - die Produktion von Spitzenstoffen. Das Fotobuch zeigt die äußerst aufwändige Vorbereitung der Spulen für die Kettfäden, die sogenannten "Chariot bobines", die zur Produktion von Spitzenstoffen in Webstühle eingesetzt werden. Das Fotobuch überzeugt sowohl durch das zugrundeliegende künstlerische Konzept als durch die adäquate fotografische Dokumentation der hochkomplexen handwerklichen Abläufe.

Pressemitteilung der NRW.Bank

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