November

Eventbild für 34. Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster e.V. vergeben
v.l. Zauri Matikashvili, Lioba Schmidt und Niklas Fischer

34. Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster e.V. vergeben


Am 24. Oktober wurde zum 34. Mal der Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster e.V. vergeben. Aus den von den Professorinnen und Professoren der Kunstakademie Münster nominierten TeilnehmerInnen der Förderpreisausstellung ermittelte eine Jury die Preisträgerinnen und Preisträger. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr Niklas Fischer ("Keep it up!", Videoarbeit), Lioba Schmidt ("Have you got any Ink under your skin?", Buntstift, Kohle und Ölkreide auf Druck) und Zauri Matikashvili. ("Im Tunnel", Videoarbeit)

Das Preisgeld von insgesamt 4.500 Euro verteilte die Jury gleichmäßig auf die drei GewinerInnen. Der Jury gehörten in diesem Jahr an: Dr. Susanne Meyer-Büser, Kuratorin für zeitgenössische Kunst im K21, der Düsseldorfer Bildhauer Felix Schramm und Dr. Gail Kirkpatrick, Leiterin der Kunsthalle Münster.

Die Förderpreisausstellung zeigt noch bis zum 12. November die Arbeiten aller 26 Finalisten in der Kunsthalle Münster. Die künstlerische Leitung der Ausstellung hatten Prof. Nicoline van Harskamp und Prof. Dirk Löbbert, Kunstakademie Münster, inne.
Der von der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung kontinuierlich unterstützte Förderpreis gibt einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen junger zeitgenössischer Kunst an der Kunstakademie Münster. 
Künstlerliste: René Haustein, Philipp Höning, Christina Dunkel, Katharina-Sophie Heck, Monika Gebauer, Ayoung Woo, Bastian Buddenbrock, Jana Rippmann, Kerstin Janzen, Raoul Morales-Márquez, Yoana Tuzharova, Justyna Janetzek, Fabian Coppenrath, Lioba Schmidt, Zauri Matikashvili, Niklas Fischer, Juli Lee, Ruben Felix Ferdinand Gährken, Marie Samrotzki, Bastian Blau, Jörg Kratz, Jan Lukas Uptmoor, Chiemi Nakagawa, Fabian Warnsing, Benjamin Bode, Philipp Reuver.

Jurybegründungen:

Niklas Fischer schafft es mit seiner Videoinstallation "Keep it up!" unter Einsatz minimalster Mittel, Spannung zu erzeugen. Die Ausgangssituation ist denkbar einfach: Ein junger Mann zieht sein T-Shirt an und aus. Die Szene ist verdoppelt. Nur durch das Nebeneinander entsteht der Eindruck einer Spiegelsituation, die Handlungen laufen parallel. Dabei sind es einzelne Aufnahmen, die in manchen Sequenzen zusammenfallen und dann wieder völlig auseinanderdriften, z.B. gleitet in einer Einstellung das T-Shirt aus der Hand - und in der anderen nicht. Dabei bleiben Orte und Personen neutral. Es gibt keine zeitliche Verortung. Gleichzeitig berührt uns diese Szene aufgrund der menschlichen Nähe und Körperlichkeit. Das beharrliche und rhythmische An- und Ausziehen mit sehr reduzierten Mitteln verdichtet sich zu einer sinnfreien, mechanischen Tätigkeit.
Ganz anders verhält es sich in der zweiten Video-Installation, die den Torso eines Motorrads fokussiert: Rhythmus und Rhythmusverschiebung wird dort auf mechanische und körperliche Weise miteinanderverschränkt.

Die Arbeit "Have you got any ink under your skin?" von Lioba Schmidt zeigt Fotografien von tätowierten Menschen, deren Umgebung und Köpfe durch schwarze Farbe übermalt sind. Der Betrachter ist von der Haptik der Oberflächen fasziniert, da zwischen den gestisch-schwarzen Farbaufträgen und den fotografischen Partien der Haut ein spannungsreiches Wechselverhältnis entsteht. Es geht um Oberflächen und deren Verletzlichkeit, um das Changieren zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Die Malerei wird zu einer zweiten Haut, greift aber auch auf kunsthistorische Bezüge aus der Renaissance und der Jahrhundertwende zurück. Morbide, erotische Vorstellungswelten werden ebenso berührt wie sakrale Zusammenhänge. Die Hängung der zehnteiligen Arbeit bildet selbst eine organisch geschwungene Form und geht in die retinale Wahrnehmung des Betrachters über.

"Im Tunnel" heißt die Arbeit von Zauri Matikashvili. Der Künstler filmt 24 Stunden von Mitternacht bis Mitternacht die Menschen im Hamburger Tunnel in Münster. Durch Umbaumaßnahmen wird der Tunnel als Durchgangspassage zwischen Bremer Platz und Bahnhofsvorplatz benutzt. Seit dem funktionierte der Tunnel als Verdichtung, eine Art Bypass, wo unterschiedlichste Menschen tagtäglich gezwungen waren, hindurchzugehen. Je nach Uhrzeit wechselten dabei die Szenerien und die Frequenzen. Scheinbar neutral folgt der Künstler mit seiner Kamera den Passanten. Die Kontaktaufnahme wechselt zwischen flüchtig und intensiv. Mit einfachen Mitteln entwickelt der Künstler eine besondere Perspektive auf die Heterogenität der Gesellschaft (in Münster) und bezieht uns als Betrachter in die faszinierende Vielschichtigkeit der Kommunikation mit ein.


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