April

Eventbild für Ed Atkins erhält eine Gastprofessur an der Kunstakademie Münster

Ed Atkins erhält eine Gastprofessur an der Kunstakademie Münster


Ob Tate Britain in London, die  Sepentine Gallery in Los Angeles, das PS1 im Museum of Modern Art in New York, das Stedelijk-Museum in Amsterdam, die Kunsthalle Zürich oder der Martin-Gropius-Bau in Berlin - sie alle widmeten Ed Atkins bereits Soloschauen und die Liste ließe sich mühelos fortsetzen. Mit gerade mal 35 Jahren blickt der in der Nähe von Oxford geborene Künstler bereits auf eine Ausstellungsvita zurück, die staunen lässt. Ohne Frage: Ed Atkins ist ein Star in der internationalen Kunstszene und ein Idol für eine ganze Generation junger Künstlerinnen und Künstler.

Denn wie kaum ein anderer Künstler seiner Zeit fühlt Atkins einer Gegenwart auf den Zahn, die sich an den Schnittstellen von digitaler Realität und personaler Identität konstituiert. Dafür erschafft er computergenerierte, oft hyperreale Bildwelten wie etwa in seinem Drei-Kanal-Video "Safe Conduct", das eine ins Paranoide gesteigerte Überwachung und Kontrolle am Flughafen zum Thema macht.
Oft als Post-Internet-Künstler bezeichnet, beruft sich Atkins zugleich auf kunsthistorische Bildtraditionen und nutzt Methoden von Pop-Art bis Surrealismus, um die Konstruktion von Identität und ihre Widersprüche mit heutigen Mitteln darzustellen. Doch Atkins' Wirken beschränkt sich nicht auf die bildende Kunst. Auch als Autor bewies er bereits großes Talent und veröffentlichte 2016 mit "A Primer for Cadavers" eine über 400 Seiten starke Sammlung düster-poetischer Texte und Essays, die nicht selten die Vorlage für spätere Videoarbeiten waren.

Seit 2015 lebt und arbeitet Ed Atkins in Berlin. Im vergangenen Jahr hielt er im Rahmen der "Münster Lectures"  einen Vortrag an der Kunstakademie Münster, in dessen Folge es der Hochschule gelang, Atkins für eine Gastprofessur in diesem Sommersemester zu gewinnen. Der Brite wird eine Veranstaltung anbieten, die sich in ein Seminar und ein Kolloquium aufteilt und zum Teil in Münster, aber auch direkt in Atkins' Atelier in Berlin stattfinden wird.
Im Zentrum wird dabei eine inhaltliche und medienspezifische Betrachtung des Themas "Verlust" stehen, das Atkins in seinen vielfachen Bedeutungsebenen immer wieder in seinen Arbeiten aufgreift. So hat er gerade eine Ausstellung der "Julia Stoschek Collection" - eine der wichtigsten Sammlungen für Videokunst - in Düsseldorf kuratiert und "Generation loss" (Generationsverlust) betitelt. Der Begriff bezeichnet tatsächlich das technische Phänomen des Qualitätsverlusts den (digitale) Daten durch fortgesetztes kopieren oder komprimieren erleiden. Gleichzeitig lässt er sich aber auch auf gesellschaftliche, politische oder kulturelle Veränderungen im Zuge von Generationswechseln übertragen.

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