September

Johanna Reich // Die gestohlene Welt

24.02.2018 – 08.04.2018
Max Ernst Museum Brühl des LVR, Comestraße 42 / Max-Ernst-Allee 1

Liebe Freunde und Kunstinteressierte, wir laden Sie herzlich zur Ausstellung ein. 

Johanna Reich ist Trägerin des Frauenkulturpreises des LVR 2016.

Zentrale Themen von Johanna Reich (*1977) sind die rasant voranschreitende Digitalisierung und mediale Vereinnahmung unserer Alltagswelt und deren Folgen für unsere Werte, Beziehungen und unsere Wahrnehmung. In ihren Foto- und Videoarbeiten, die meist zusammen mit Projektteilnehmerinnen und -teilnehmern entwickelt wurden, lotet die Videokünstlerin das Verhältnis zwischen realen, virtuellen und malerischen Bildern aus. Dabei spürt sie insbesondere solchen Phänomenen nach, die sich in „gestohlenen“ Momenten von der Bilderflut absetzen, die „bleiben“ und sich in das globale wie persönliche Gedächtnis eingebrannt haben.

Ikonische Bilder stehen im Vordergrund der Arbeiten Heroines (2013-16) und Der Blick auf die Welt (2016). Das Projekt Heroines befasst sich mit dem Thema Identitätssuche von jungen Mädchen, die Johanna Reich nach ihren Vorbildern befragte. Fotografien der gewählten weiblichen Idole wurden anschließend als Lichtbild auf das Gesicht der Projektteilnehmerin projiziert und das Ergebnis als fotografisches Porträt festgehalten. Durch die Überblendung von Projektion und Gesicht entsteht ein neues, eigenständiges Porträt, das seine Kraft aus dem Spannungsfeld zwischen ikonenhafter Inszenierung und alltäglicher Gegenwart schöpft.

Die Arbeit Der Blick auf die Welt untersucht, welche Rolle die zeitgenössische Bildproduktion bei der Herausbildung unseres historischen und kulturellen Gedächtnisses spielt. Verschiedene Personen im Alter von 30 bis 90 Jahren wurden gebeten, prägende Momente der Zeitgeschichte zu benennen, die im Anschluss als Lichtbilder auf ihre Körper projiziert und auf Fotofahnen gebannt wurden. Durch die persönlichen Berichte der Teilnehmenden, die bei der Betrachtung der Fotofahnen als Tondokument über Kopfhörer angehört werden können, wird eine individuelle Sicht auf globale Ereignisse vermittelt.

Dem zunehmenden Verschwinden der Handschrift angesichts der allgegenwärtigen Nutzung von Computern und Touchscreens geht die aktuelle Arbeit Decrypt (2018) nach. Der Zeichencode, den ein Handyfoto eines weißen Blattes erzeugt, wurde von 40 Mitwirkenden abgeschrieben und schließlich durch ein Schrifterkennungsprogramm in einen farbigen Druck zurückübersetzt. Die Personen schufen auf diese Weise mit ihrer individuellen Handschrift ein neues Bild.

Die Präsentation entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin und umfasst 17 mehrteilige Arbeiten, darunter Filme, Plakatfotografien, Videoinstallationen und Oral-history-Collagen sowie aktuelle Projekte, die eigens für die Ausstellung im Max Ernst Museum Brühl des LVR entstanden sind.

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