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Eventbild für Thomas Musehold /// IN DER BLAUEN MILCH DES ACHATS

Thomas Musehold /// IN DER BLAUEN MILCH DES ACHATS

04.04.2019 – 16.06.2019
Kunst & Denke Contemporary, Florastraße 75, 40217 Düsseldorf

Liebe Freunde und Kunstinteressierte, wir laden Sie herzlich zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, den 4. April um 19:00 Uhr ein.

„Im Honig oder in der blauen Milch des Achats skizzieren die Dendriten häufig blaue Landschaften: Hügel, Täler oder Schluchten, stets von Tannen bestanden, die die Entfernung winzig macht […].“ Wovon der französische Soziologe Roger Caillois hier schreibt, ist die Manie der Sammelleidenschaft einer fernöstlichen Kultur, getrieben von der Imagination in unbelebten Steinen eine Miniaturwelt zum Leben zu erwecken. Gleicht diese Sammelleidenschaft dem Tulpenwahn im 16. Jahrhundert in den Niederlanden, weiß man, dass unfassbare Vermögen für besondere Exponate von Steinen gezahlt wurden und ganze Existenzen dieser Manie zum Opfer fielen. Was den Reiz ausmachte, war in dem toten Material verborgene Welten zu entdecken, die das Reale überstiegen. Klappte das nicht, griff man zum blauen Mohn, der die Vorstellungskraft schon anregen würde ...

Thomas Museholds Interesse gilt der sinnlichen Erfahrung in Dingen mehr sehen und erkennen zu können, als das Objekt der Anschauung in Wirklichkeit ausmacht. Ist das Wachstum von Kristallen in der Regel unvorhersehbar, provoziert Musehold mit chemischen Prozessen, experimentellen 3D-Scanverfahren, Demontage und Überlagerung unvorhersehbare Ergebnisse, die unsere Vorstellungskraft anregen. Diese Art der bildhauerischen Formfindung ist einerseits dem Zufall überlassen, andererseits dem Auswählen und Zusammenführen unterschiedlicher Komponenten, so dass ein uns noch unbekannter Gegenstand entsteht, der von uns gedeutet werden will.

Deuten und Interpretieren ist sozusagen das thematische Steckenpferd Museholds, der zunächst Linguistik mit dem Schwerpunkt Semiotik und dann in der Klasse der Konzeptkünstlerin Suchan Kinoshita studierte, um anschließend an der Jan van Eyck Akademie unter Hans-Christian Dany und Imogen Stidworthy (documenta 12) über Archive zu forschen. Deswegen schafft die Präsentation seiner Kunstwerke eine Grundlage, die den Vergleich und den Austausch von Informationen der Exponate untereinander bewirkt. Zuletzt konnte man dies in der Sammlung Philara und Museholds dortiger Archivarchitektur sehen und wird in der jetzigen Ausstellung bei Kunst & Denker Contemporary fortgeführt.

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