November

Eventbild für Check! 2018 – Kunstakademie lud SchülerInnen ein zum Studiencheck
14 SchülerInnen besuchten die Kunstakademie Münster zum zweitägigen "Check! 2018"

Check! 2018 – Kunstakademie lud SchülerInnen ein zum Studiencheck


Wie studiert man eigentlich Kunst? Kann man Kunst überhaupt lernen? Was fange ich mit dem Studium später an? Mit diesen und vielen anderen Fragen im Gepäck kamen 14 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen Q1 und Q2 zum "Check! 2018" an die Kunstakademie Münster. Erstmals bot die Hochschule mit der zweitägigen Veranstaltung (22.10.–23.10.) Schülerinnen und Schülern, die sich für ein Studium der Freien Kunst oder einen Lehramtsstudiengang interessieren, die Möglichkeit die Studieninhalte und Studienbedingungen an der Kunstakademie Münster live zu erleben.

Keine Werbeveranstaltung, sondern Orientierungshilfe

"Das ist keine Werbeveranstaltung, auch wenn wir natürlich gerne die Vorzüge unserer Hochschule vorstellen. Die Studieninteressierten sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Vorstellungen von einem künstlerischen Studium frühzeitig mit der Realität abzugleichen, damit sie ihre Studiengangswahl auf einer Basis treffen können, die über eine klassische Beratung hinausgeht", erläutert der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, Martin Lehmann, dessen Abteilung die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Studienberatung der Hochschule konzipierte, die Zielsetzung. "Damit folgen wir auch dem Anliegen der Landesregierung, die Angebote der Hochschulen für die Studieneingangsphase zu verbessern, was auch die Orientierungshilfen vom Übergang von der Schule in das Studium betrifft."

Für die Erstauflage des "Checks" rief die Kunstakademie Schülerinnen und Schüler ausgewählter Schulen mit Kunst-Leistungskursen in NRW und in angrenzenden Regionen Niedersachsens auf, sich mit einer Auswahl eigener Arbeiten sowie einem Motivationsschreiben für die Teilnahme zu bewerben. "Eine solche Veranstaltung bedeutet einen großen Aufwand, zudem sind die Inhalte und der Zeitplan durchaus fordernd für die SchülerInnen und wir können nur eine begrenzte Zahl von Plätzen anbieten. Die Bewerbung dient daher dazu, die Ernsthaftigkeit des Interesses zu prüfen, nicht aber der Bewertung zur künstlerischen Eignung für ein Studium bei uns. Diese wird erst bei einer tatsächlichen späteren Bewerbung um einen Studienplatz vorgenommen", so Lehmann.

Freiheit als Herausforderung

Am ersten Tag informierten eine ausführliche Führung durch die Hochschule sowie verschiedene Vorträge über Studieninhalte, Studienziele, den Aufbau des Studiums und berufliche Perspektiven. Vollkommen neu für die SchülerInnen, weil aus dem Schulalltag fremd, war dabei das akademische Prinzip, nach dem die Studierenden ab dem dritten Semester in semesterübergreifenden Künstlerklassen studieren und zwar unabhängig davon, ob sie Freie Kunst oder auf Lehramt studieren, wodurch alle die gleiche künstlerische Ausbildung erhalten. Auf großes Interesse stieß auch die Führung durch die Werkstätten. Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt über den Umfang des Angebots und die technische Ausstattung. Besonders spannend für die SchülerInnen war die Besichtigung des Orientierungsbereichs, denn hier beginnt das Studium für jeden Jahrgang mit einer zweisemestrigen Orientierungsphase. Unter Anleitung eines Professorenteams lernen die Studienanfänger die Besonderheiten eines künstlerischen Studiums kennen, können sich frei ausprobieren und mit unterschiedlichen Medien experimentieren, um ihre persönlichen Interessen, Stärken und Schwächen zu erkennen und erste Weichen für den weiteren Weg zu stellen. Hier wurde den TeilnehmerInnen auch eine besondere Herausforderung des Kunststudiums verdeutlicht: Die große Freiheit, die ein hohes Maß an Selbstständigkeit und auch Disziplin erfordert: Dass ihnen im Gegensatz zur Schule im künstlerischen Studium keine Aufgaben gestellt werden, die es zu lösen gilt (zum Beispiel etwas Bestimmtes zu zeichnen) und die dann korrigiert werden, sondern dass es von Beginn an darum geht, den eigenen Gedanken und Themen selbstständig einen künstlerischen Ausdruck zu geben, dazu die adäquaten Mittel und Medien zu wählen, und diesen Werkprozess permanent im kritischen Austausch mit den ProfessorInnen aber auch Kommilitoninnen zu reflektieren, um so Schritt für Schritt eine eigenständige, ausgereifte Position zu entwickeln, war für alle eine herausfordernde, für manchen auch eine überfordernde Vorstellung. Im Anschluss boten ein Workshop und eine Vorlesung Einblicke in kunstdidaktische und kunstwissenschaftliche Teile des Studiums.

Studieninhalte live erleben

In die Praxis ging es dann am zweiten Tag. In den Werkstätten für Radierung, Maltechnik, Sieb- und Digitaldruck und Fotografie bekamen die Teilnehmer einen Eindruck, welche handwerklichen Fähigkeiten dort vermittelt werden und konnten unter Anleitung der künstlerisch-technischen Werkstattleiter zum Beispiel eigene Druckgrafiken erstellen, Lochkameras bauen, mit diesen Aufnahmen machen und die Bilder selbst entwickeln, Rahmen selber bauen oder lernen, wie man Farben herstellt. Abschließend, und mit Spannung erwartet, konnten die Schüler gruppenweise einige künstlerische Klassen besuchen und am Klassenkolloquium teilnehmen. In den wöchentlichen Kolloquien besprechen die ProfessorInnen gemeinsam mit den Klassenmitgliedern die aktuellen Arbeiten einzelner Studierender, diskutieren über allgemeine Fragen zur Kunst oder planen Projekte. Auch die Schüler konnten ihre mitgebrachten Arbeiten vorstellen. In den Gesprächen mit den Studierenden und Professoren erfuhren sie außerdem mehr darüber, wie das Studium in der Praxis funktioniert, welche Voraussetzungen es zu erfüllen gilt und welche persönlichen Eigenschaften man mitbringen sollte, wenn man erfolgreich Kunst studieren möchte.

"Aus unserer Sicht war diese Veranstaltung ein großer Erfolg. Am Ende gab es keine offenen Fragen mehr und die Bewertung der Veranstaltung, die die Schüler über einen Fragebogen vornehmen konnten, fiel ebenfalls überwiegend sehr positiv aus. Lediglich an der dichten Taktung der Programmpunkte und an vereinzelten inhaltlichen Wiederholungen gab es Kritik. Das werden wir für die nächste Ausgabe verbessern", fasste Larissa Böhringer, zuständig für die Angebote zur Studieneingangsphase an der Hochschule, die zwei Tage zusammen.

Das Ziel, den Schülern eine Orientierungshilfe zu geben, wurde auf jeden Fall erreicht: Sechs von ihnen fühlten sich in ihrem Wunsch Freie Kunst oder Kunst auf Lehramt zu studieren bestärkt und können sich dies auch an der Kunstakademie Münster vorstellen. Vier gaben an eher nicht mehr zu einem künstlerischen Studium zu tendieren, etwa weil ihnen die Herausforderungen und Anforderungen so nicht bewusst waren, sie später doch eher in angewandteren Bereichen wie etwa Design arbeiten möchten oder weil ihnen die späteren Perspektiven (als freie Künstler) zu unsicher erscheinen. Die übrigen vier TeilnehmerInnen sind weiterhin unentschlossen, konnten jetzt aber klarer definieren, welche Aspekte sie ansprechen und welche sie verunsichern.

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