Page 155 - Almanach2020
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2. Response in der schulischen und hochschulischen Lehre im Sich-Zeigen und Zeigen von Bildern
Der Vortrag »Bildsituationen im Begleiten künstleri- scher Prozesse« von Prof. Dr. Tobias Loemke themati- sierte, wie Ort und Setting das Zeigen von Artefakten beeinflussen, durch die das künstlerisch Erarbeitete wie auf einer Bühne zur Aufführung kommt. Dabei un- terscheidet er zwischen dem, was jemand im Akt des Zeigens mitteilt, und dem, wie sich die Choreografie des Zeigens vollzieht.
»Beim Auslegen fotografischer Bilder aus dem Kunstunterricht neuen Lesarten des sich zeigenden pädagogischen Geschehens auf die Spur kommen«, ist das Anliegen des Dissertationsprojekts von Katja Böhme, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der UDK Berlin. Hierbei steht das Thema der Unverfügbarkeit in und Unvorhersehbarkeit von Lehr- und Lernprozessen im Vordergrund. Sowohl Lernen als auch Lehren tragen Züge eines responsiven Geschehens, welches sich im Wechselspiel von »getroffen werden« und »antworten« ereignet. Im Rahmen des Montierens mehrerer Bilder zu bedeutungsvollen Bildreihen und Bildkonfigurationen werden Ebenen der Bildarbeit herausgearbeitet, die narrativ miteinander in Beziehung treten.
»Das Ausdrucksmittel ›KünstlerInnenbuch‹ als anregendes Mittel hin zu künstlerisch-forschenden Gestaltungsprozessen in der Lehre« stand im Mittel- punkt des Interesses von Anke Lohrer am Wim Wenders Gymnasium in Düsseldorf. Kann sich das Handeln und Reflektieren von KunstpädagogInnen nicht nur inhalt- lich, sondern als Praxis der Vermittlung an den Künsten orientieren? Sie stellt Kunst und das künstlerische Ge- stalten durch Kinder und Jugendliche als einen Weg der künstlerischen Forschung vor – im Sinne von Erkenntnis suchen, erkunden, ergründen, prüfen, untersuchen oder ausfindig machen.
3. Response auf eigene Erfahrungen und Erinnerungen
Der Vortrag »Von der Immanenz einer wahrneh- mungsfundierten Reflexivität in professionsbezoge- nen Bildungsprozessen« von Prof.in Dr. Birgit Engel und Gastprofessorin Dr. Kerstin Hallmann stellte die Forschungsmethod(ologi)e mit »Erinnerungsbildern« und die »phänomenologische Materialanalyse« aus der Professionsforschung in der LehrerInnenbildung im Fach Kunst vor. In responsiven Sichtungen werden Wahrnehmungen und Erfahrungen von ersten schulprak- tischen Erlebnissen untersucht – auf der Suche nach qualitativen »Spuren« professionsbezogener Bildungs- prozesse, die sich nur in der Immanenz (Agamben) der stattgefundenen Erfahrungsprozesse entdecken lassen.
»Wahrnehmende Annäherung an ästhetische Bil- dungsprozesse: mein hermeneutischer Prozess« ist der Forschungsfokus der Studienrätin Jana Röther, mit dem sie responsive Verfahren zum Anlass nimmt, um auf ihre eigenen Erfahrungen in Unterrichtssituationen zu schauen. Verdichtete Dokumentationen dienen ihr wiederum als Anlass, mit diesen in der gemeinsamen Relektüre im Forschungskolloquium ein Antwortgesche- hen herauszufordern. Denn erst in der gemeinsamen Relektüre zeigt sich etwas dann als etwas.
Dr. Sylvia Krenn von der Universität Innsbruck befasste sich in ihrem Vortrag »Erinnerte Erfahrung reflektieren. Anekdote und Erinnerungsbild als Reflexionsinstrument in der LehrerInnenbildung« mit der Frage, wie das Re- flektieren schon in der Ausbildung thematisiert und zur Alltagsroutine werden kann. Reflexionsanlässe können dazu dienen, Ereignisse und sich selbst besser zu ver- stehen und auf diese Weise Sicherheit und Variation im Handeln zu entwickeln. Die von ihr eingesetzten Metho- den der Anekdote und des Erinnerungsbildes können als Narrative (schulische) Ereignisse der Vergangenheit gestalten und diese als Reflexionsinstrument zugäng- lich machen.
4. Response in Sprache, auf Material und vor Werken
»Scheinbar unscheinbar – ›Sprachstücke‹ als Perfor- manz von Unterricht lesen« nennt Judith Villiger (ZHdK Zürich) ihr Forschungsprojekt, in dem sie sich auf das responsiv-reflexive Moment von Sprache bezieht. Vil- liger beauftragt Studierende, sich vom Geschehen im besuchten Unterricht treffen zu lassen. In einem mehr- wöchigen Prozess werden daraus kleine literarische »Sprachstücke« entwickelt, welche als Wirklichkeit(en) von Kunstunterricht aus Sicht der Studierenden aufge- fasst und beforscht werden.
In dem Vortrag »Vignettenforschung ›Nah am Werk‹ – Potenziale für die (Aus)Bildung in Museum und Schu- le« von Prof.in Dr. Evi Agostini (Universität Wien) und Dr. Agnes Bube (Universität Hannover) ging es um ein responsives Antwortgeschehen vor künstlerischen Werken und um den gemeinsamen Austausch mit an- deren vor den Werken. Sie setzen zur Erforschung des responsiven Antwortgeschehens Vignetten ein – das sind Narrationen, die den allgemeinen Sinn im konkreten Einzelfall in exemplarischer Art und Weise zum Ausdruck bringen. Innerhalb ihres Vorgehens loten sie Potenziale der Entwicklung eines innovativen Settings zur Profes- sionalisierung in der LehrerInnenbildung aus.
Der Beitrag »The Interactive Potential of Children’s Drawings; an Intercultural Study on Visual Commu- nication between Primary School Children in Iran and Germany« von Maryam Khanahmadi befasst sich mit Kinderzeichnungen, die im Austausch zwischen irani- schen und deutschen Grundschulkindern entstehen. Untersucht wird in einer interkulturellen Studie die Art der visuellen Sprache, welche Kinder verwenden, um miteinander durch »Bildfreundschaften« (Zeichnungen) grenzüberschreitend zu interagieren. Dabei beschäftigt sie die Frage, wie Kinder diese als Werkzeuge für Kom- munikation verwenden.
5. Response als leibliches Antworten
In drei weiteren Beiträgen stand explizit der Leib im Zentrum. Ulrike Grundhoff erforscht als Lehrerin »Die Bedeutung von leibbezogenen performativen Erfahrungen für die Bewusstseinsentwicklung in der Ästhetischen Bildung« von jugendlichen SchülerInnen im Rahmen ihrer künstlerisch-performativen Vermitt- lungsarbeit. Grundhoff befasst sich in vertiefter Weise mit den Prozessen der Jugendlichen, in denen sie auf
          




















































































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