Page 156 - Almanach2020
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existenzielle Weise ihre Körpergrenzen ausloten und in denen das Erleben der wechselseitigen Beziehung des eigenen Körpers mit der Welt prägnant wird.
In den Forschungen der Studienrätin Solveigh Krü- ger zum Thema »Impulse und bildende Potenziale des künstlerischen Bewegungskonzepts von Pina Bauschs Tanztheater für die künstlerisch-performative Arbeit mit SchülerInnen im Kunstunterricht« geht es um Pina Bauschs besondere Arbeitsweise im Umgang mit Tanz, dessen Übertragbarkeit auf schulische Bildungspro- zesse und methodische Möglichkeiten wie individuelle Tanzerfahrungen in der Schule von ihr praxisbezogen als Lehrerin erforscht werden.
Der Beitrag »Aisthetische Erfahrungen von Kin- dern in pädagogischen Inszenierungen. Eine responsive Videostudie zur Bildung und Erziehung im Elementar- bereich« von Martina Janßen (Humboldt-Universität zu Berlin) untersucht den Leib als Dreh- und Angelpunkt für eine grundlagentheoretische Ausdifferenzierung aisthetischer Erfahrungen in der frühen Kindheit mit dem Ziel, diese als bildende Erfahrungen fruchtbar zu machen. Videodaten von kindlichen Erfahrungsprozes- sen werden mittels phänomenologischer Videografie responsiv interpretiert.
»Schule als koopera- tiver KunstOrt«
Projekte an der Friedensreich-Hundertwasser- Schule in Münster-Roxel in Zusammenarbeit mit Studierenden der Kunstakademie Münster
Im Rahmen des Seminars haben Studierende unter der Leitung von Prof.in Dr. Birgit Engel und Prof.in Irene Hohenbüchler vielfältige Beispiele kennengelernt, die zeigen, wie KünstlerInnen auf ästhetische Ausdrucks- formen von Kindern und Jugendlichen reagieren. Durch die Gastbeiträge von Sandra Alvares de Toledo (Expertin für Ferdinand Delignys Arbeit mit autistischen Kindern, Monoblets, Frankreich) und Lucca Santiago Mora (Ate- lier del Errore, Reggio Emilia, Italien) wurden vor diesem Hintergrund zusätzlich Antwortmöglichkeiten für einen nachhaltigen Umgang mit Inklusion im Kunstunterricht vorgestellt und diskutiert.
Konzepte für kooperative Schulprojekte wurden präsentiert als Anregung für weitere künstlerische Pro- jektideen an der Friedensreich-Hundertwasser-Schule in Münster-Roxel. Bei dieser Schule handelt es sich um eine Sekundarschule, an der SchülerInnen der Klassen 5 bis 10 gemeinsam lernen. Die praktische Umsetzung der Projekte war im Laufe des Semesters durch sich ständig verändernde »Corona-Auflagen« besonders heraus- fordernd. Im kontinuierlichen Austausch mit mir, Julia Cremer, Kunstlehrerin an dieser Schule, fand eine Viel- zahl an (Einzel-)Gesprächen statt, wie die Konzepte der Studierenden an der Schule umgesetzt werden könnten.
Ausblick
Die breite Vielfalt der im Kolloquium bearbeiteten The- men zeigt immer wieder brisante gemeinsame inhaltliche Bezüge und Fragestellungen, die das Kolloquium in einen lebendigen und wachsenden Austausch führen. Auch aus diesem Grund wird das kommende 12. Kolloquium, das vom 5. bis 7. Februar 2021 wieder im Onlineformat stattfinden soll, als Kooperationsveranstaltung mit dem österreichischen Netzwerk der phänomenologischen Vignetten- und Anekdotenforschung (VignA) erfolgen. Im Fokus sollen dann »Methodische und methodologische Zugänge zur Leibgebundenheit des Forschens in der Professionsforschung« stehen.
Martina Janßen
Martina Janßen ist Promovendin bei Prof. Dr. Malte Brinkmann im Fachbereich Allgemeine Erziehungswis- senschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Prozesse und Praxen der Erziehung und Bildung, Aisthetik und Ästhetik, Theorien der Frühen Kindheit, Videoanalyse.
Im Zentrum der Projekte stand der Umgang mit der Schule als ästhetischem und künstlerischem Erfah- rungsort. Nachdem zunächst nur ein virtueller Rundgang durch die Schule möglich war, konnte schließlich in den Schulferien vor Ort eine Kleingruppe von Studierenden in Präsenz Eindrücke sammeln. Gegen Ende des Semesters fiel die Entscheidung, einen neuen Kunstraum herzurich- ten. Dieser wurde im Rahmen meines Kunstunterrichts in Zusammenarbeit von SchülerInnen und Studierenden gestaltet.
Als Erste startete Jana Mengeu mit SchülerInnen aus einer sechsten Klasse, die die Idee hatte, dem Kunst- raum selbst den Charakter eines White Cubes zu geben. Um den Raum damit auch künstlerisch ergebnisoffener zu gestalten, wurde die Holzvertäfelung an den Wänden weiß gestrichen. Bereits nach dem ersten Anstrich wirk- te der Raum heller und einladender. Die SchülerInnen waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden, stolz auf ihre Arbeit und motiviert, den Raum noch weiter zu verän- dern. In der Folge entstanden Einzelarbeitsplätze, um individuelle Rückzugsmöglichkeiten in Arbeitsphasen zu schaffen. Ein weißer Vorhang im Raum wird Schü- lerInnen zusätzlich die Möglichkeit geben, performativ zu arbeiten.
Jiyeon Kang griff in ihrem Projekt Merkmale der Werke von Friedensreich Hundertwasser auf und nutzte dafür den Wandschrank als effektive Stauraummög- lichkeit. Die SchülerInnen einer siebten Klasse sind hierbei ganz in die Form- und Farbwelt des Künstlers eingetaucht und haben dabei ganz eigene Form- und Farbkonstellationen entwickelt. Auch der handwerkliche Aspekt des Boxen-Zusammenbauens führte zu vielen Erfolgserlebnissen.
      T-A-G-U-N-G-E-N / W-O-R-K-S-H-O-P-S / K-O-L-L-O-Q-U-I-E-N 154




















































































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