Page 163 - Almanach2020
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Die Konfrontation mit dem neuen Raum, den Dingen und den anderen erzeugen Leerstellen, an denen sich neue Möglichkeiten entzünden können. Das prozesshafte Agieren innerhalb und außerhalb des Raumes verselbst- ständigt sich. Stetig werden neue Impulse gesetzt, auf die wiederum andere antworteten. Die Dinge reizen durch ihre Materialität. Die Grenze zwischen Innen- und Außenraum verschiebt sich. SchülerInnen betreten das Innen und das Außen, sie agieren im und um den Raum, indem sie gestalten, verändern und weiterge- ben. Innen- und Außenraum sind nicht mehr eindeutig voneinander zu trennen und greifen belebt ineinander. Einige sich dazu gesellende BesucherInnen versuchen, sich der Situation physisch zu entziehen, indem sie ein paar Schritte zurücktreten. In dem Zurückweichen wird die Verschiebung der Grenze sichtbar. Sie endet nun nicht mehr mit dem Ende des roten Teppichs und den herabhängenden Fäden, sondern sie befindet sich etwas weiter im umherliegenden Raum.
Die sinnhafte Begegnung sowie die gemeinsame Annä- herung an die Künste durch ästhetische Wahrnehmung erhebt den Anspruch an die kunstpädagogische Ver- mittlungspraxis und an die SchülerInnen, dass sie sich selbst als künstlerische Praxis verstehen. Das Ergeb- nis erstaunt und berührt uns. Beeindruckend, wie sich der Aktivierungsprozess der SchülerInnen durch einen kleinen Impuls verselbstständigen kann. Die positive Überraschung über das eigene handelnde Mitgestalten wurde auch in einigen Wortbeiträgen im abschließenden Reflexionsgespräch sichtbar.
Fast schon ein bisschen schade aufzustehen, auf- zuräumen. Aber auch besonders, diesen Raum zu ver- lassen und dem Raum wieder neuen Raum zu geben, sich in einem anderen Setting wieder in etwas Neues zu verwandeln.
Jana Weigelt-Harth und Anne Hübecker
           






























































































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