Page 190 - Almanach2020
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 Jana Rippmann
»Transmedial Trap«
– The way we go – the way they go – transforming matters –
Lord fuckface – festgenommen wegen sexy, unfor- gettable runway, fashion for bankrobbers, take off my shoes and swim good.
Alles Zitate, Schnipsel aus meinem Instagram- und YouTube-Feed, der sich seit Jahren langsam, aber stetig akkumuliert, ein Bild von mir zeichnet, nicht nur durch gewollte Likes und Gefallen meinerseits, nein, er scheint auch wirklich an meinen Emotionen anzusetzen. Woher wissen die, die da oben, hinter, irgendwo ..., was ich gut finde?
Ich habe schon lange das Gefühl, in sozialen Medien nicht mehr wirklich Herrin meiner Sinne zu sein, sondern zu treiben in einem Netz aus Vorschlägen, Anregungen, Perversionen, Geschmack und dem Verlust desselben.
Was ist Wille, was ist Verstand? Haben wir nicht gerade als Künstler die Aufgabe zu filtern, zu durch- leuchten, zu verstehen?
Doch wo ist der Reflexionsraum dafür? Ist nicht gerade das zu findende Mash-up in sozialen Medien und überhaupt dem Internet aus eigenen Wünschen, Inte- ressen, Gelüsten der neue Underground der kreativen, künstlerischen Szene?
Woher kommt Inspiration?
»Mystery train« (1989) – eine Frau zündet die Zigarette ihres Lovers in einem verborgenen Hotel an. Er trägt ein offenes Hemd in seine große, silberne Gürtelschnalle gesteckt, sein Mund ist rotverschmiert geschminkt.
Darunter: »An Orgasm is Better than a Bomb – should we release this?« Raf Simons schickte 1999 eine Vielzahl an Männern mit schwarzen dünnen Schlipsen über den Laufsteg. So Kraftwerk – postet ein Viewer.
03.07.2020
   Ein Ausschnitt meines sich sekündlich verändernden Instagram-Feeds.
Eine Mischung aus Kunst, Filmgeschichte, Mode und meinem persönlichen Geschmack von Farbempfinden. Lila Wackelpudding, Rosen in Eiswürfeln, Stühle aus Bauschaum, Orchideen aus Keramik als Ohrringe.
Ist das das neue Barock unserer Zeit? Zu viel von allem? Ein Overload aus Materialien, Formen, Objekten, die schönen Dinge, die uns instant befriedigen, wie ein Hauch von allem, der an einem vorbeizieht.
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Es reiht sich, es reicht untereinander weg.
Immer mehr, immer wieder eine Flut.
Sie strömt, sie bricht.
Ohne Unterlass immer wieder.
Abblitzen, ablichten, beleuchten, verschieben, verstecken, nutzen, weiter verwandeln, umschreiben. Umdenken, ich bin neu!
Mit allen Wassern gewaschen. Swim good.
Jana Rippmann
Jana Rippmann
Geboren 1994 in Hamburg. Seit 2014 an der Kunstaka- demie Münster. Studierte bei Prof.in Suchan Kinoshita. Seit 2020 Meisterschülerin.
janarippmann.com
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