Page 192 - Almanach2020
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 Laura Annchristin Möller
»GENUIN«
GENUIN – die Echtheit steht primär im Gegensatz zu einer virtuellen Präsentation des Examens, allerdings spiegelt der Titel die Grundidee des ursprünglichen Konzepts wider. GENUIN ist darauf angelegt, dem Indivi- duum in der heutigen informationsüberfluteten Umwelt einen Moment des Fokussierens zu ermöglichen. Täglich werden wir mit unzähligen neuen und alten Impressionen konfrontiert. Bereits der morgendliche Griff zum Smart- phone und das Durchscrollen des Newsfeed überflutet uns teilweise wortwörtlich mit unzähligen Eindrücken von Bildern und Informationen. Hinzu kommt, dass unser heutiger Zeitgeist es verlangt, produktiv zu sein. Wenn das eine gemacht wird, kann zeitgleich das andere auch noch mitgenommen werden. Im Museum oder in Galerien heißt es, alle Räume zu begehen, um schließlich »alles gesehen zu haben«. Aber hat man wirklich alles gesehen? An wie viele Werke kann man sich nach einem Galerie- oder Museumsbesuch erinnern? GENUIN wirkt dieser Bilderflut gezielt entgegen. Mit dem Ziel, das Bild in der Frage zu halten, nimmt das Konzept durch seine von 1 x 6 m Größe durch die mittige Platzierung im Raum einen Bühnencharakter ein. Durch die Präsentation der In-
07.07.2020
   01 »GENUIN«, Wandmalerei: 100 × 600 cm, Tondo: Öl auf Holz, Durchmesser 40 cm
02 Konstruierter Raumplan für den A2, Raummaße: 1.060 × 557 × 300 cm, Wandmalerei: 100 × 600 cm,
Tondo: Durchmesser 40 cm
stallation, die einem Gemälde ähnelt, wird der Blick der Betrachtenden gezielt auf ein einziges Objekt im Raum gelenkt. In einer sich stets wandelnden Umgebung mit immer neuen Eindrücken wird ihnen ein Moment Zeit und Ruhe gegeben, um sich auf das einzelne Stück einzulas- sen. Ein Fokus wird geschaffen und den Betrachtenden wird gezielt die Chance gegeben, sich nur auf ein Sujet einzulassen.
Zurückgreifend auf die Theatermetapher, nimmt das Bild den Hauptcharakter ein, auf den stets das Spotlight gerichtet ist. Durch diese Lenkung des Fokus der Betrachtenden wird Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Anerkennung für das einzelne Werk geschaffen und ein hoher Erinnerungswert erzeugt. Das Bild bleibt in der Frage.
Laura Annchristin Möller
Laura Annchristin Möller
Geboren 1997 in Münster. Seit 2015 an der Kunstaka- demie Münster. Studierte bei Prof. Klaus Merkel. Seit 2020 Meisterschülerin.
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