Page 212 - Almanach2020
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 Xenia Prüßner
»Konjunktion«
Xenia Prüßner präsentierte ein über zwei Meter großes lenk- und steuerbares Puppenobjekt, welches als theatralisches Instrument für performative Auftrit- te konzipiert wurde. Aufgrund der aktuell geltenden Corona-Schutzmaßnahmen konnte diese Figur leider nicht, wie ursprünglich geplant, als Live-Aktion im Aka- demiefoyer erlebbar gemacht werden. Umso eindring- licher wirkte das ersatzweise produzierte 10-minütige Video mit dem Titel »Konjunktion«, in welchem der geschaffene Charakter »Juppiter Lovis aka Alienheb- amme« im Zusammenhang einer Musikperformance in Erscheinung trat.
Deutlich und nachfühlbar wird hier, dass neben der Konstruktionsarbeit zur elektromechanischen Steue- rung ebenso ein sich über neun Monate entwickelnder mentaler Schöpfungsprozess stattgefunden hatte, in dessen Verlauf eine tatsächliche Wesenheit kreiert wur- de. Übersetzt in die Sprache des Films und in Wechsel-
17.07.2020
   wirkung mit der musikalischen Improvisation entsteht ein höchst eigentümliches, energetisches Erlebnis, wel- chem sich das Publikum nur schwerlich entziehen kann. Während im aktuellen akademischen Diskurs zunehmend das Seelenhafte zu entschwinden scheint, schafft hier eine überlebensgroße Hebamme als psychologisches Übergangswesen und transformatives Portal Zugang zur Welt des Lebendigen und Ursprünglichen.
Andreas Köpnick
Xenia Prüßner
Geboren 1994 in Bergisch Gladbach. Seit 2013 an der Kunstakademie Münster. Studierte bei Prof. Michael van Ofen. Seit 2020 Meisterschülerin.
xeniapruessner.com www.klasse-van-ofen.de
 01–02 »Konjunktion«, Mixed Media / Video Installation, 2020
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