Page 214 - Almanach2020
P. 214

 Elena Mohr
»(Un)seen«
Gelbe Rohre durchlaufen den Raum und schlängeln sich von Wand zu Wand. Material umhüllt und verbindet sie, zeichnet Linien und Formen im Raum und auf den Boden. Raues trifft auf Weiches, Glattes überlagert Gewelltes, Transparenz und Dichte umarmen sich für einen Augen- blick des Aufeinandertreffens. Nichts scheint starr oder fixiert, alles ist verschiebbar, lebendig und nur für den Moment auf diese Weise gesetzt. Auch die Bewegungen des Rezipienten fügen sich organisch in den Raum ein, er bückt sich unter den Rohren durch, streckt sich, wird vom Material angezogen und entdeckt auf seinem Weg durch die Installation immer wieder neue Verbindungen, die sich zwischen Material, Rohren und Raum schließen. Die pastellenen Farbtöne einzelner Objekte lassen das »tote« Material lebendig werden und verstärken den Eindruck des Organischen. Kein Material steht dabei im besonderen Fokus, Grenzen zwischen Vordergrund und Hintergrund verschwimmen und scheinen sich auf- zulösen. Die gelben Rohre dienen dabei nicht nur als
27.10.2020
   Sockel, an denen sich das Material schmiegen kann. Sie aktivieren auch, was sonst im Verborgenen liegt: den Raum dazwischen, zwischen Boden und Decke und zwischen den einzelnen Wänden. Scheinbar alltägliche Gebrauchsgegenstände oder gar Abfallprodukte gewin- nen neue Kontexte und Assoziationsräume. Letztendlich bleibt die Installation, ähnlich der Realität, keine stabile Konstruktion, sondern eine in der betrachtenden Person entstehende Wahrnehmung.
Lena Homann
Elena Mohr
Geboren 1993 in Mainz. Seit 2014 an der Kunstakade- mie Münster. Studierte bei Prof.in Mariana Castillo Deball. Seit 2020 Meisterschülerin.
elenamohr.art
 01 Ausstellungsansicht
  E-X-A-M-E-N-S-A-U-S-S-T-E-L-L-U-N-G-E-N 212
























































































   212   213   214   215   216