Page 65 - Almanach2020
P. 65

  Linien und Fluchtpunkte von zwei schwarzen Holzkon- struktionen füllen die Klasse von Prof. Klaus Weber. Der Raum wird von ihnen durchzogen, durchbrochen und neu zusammengesetzt. Von den Wänden rechts und links beginnend, vom Boden bis knapp unter die Decke. Zwei Regalkonstruktionen, die man nur hier in diesem Raum finden kann. Sie passen sich durch ihre Struktur genau an den Klassenraum an, sind in ihm verankert und jeweils bis zu einer mittigen Säule in den Raum hineingerückt worden. Sie durchfluten alle möglichen Raumperspek- tiven. Plötzlich werden Gitter, Kabel und Lampen eins mit der Konstruktion, die Blicke der Betrachtenden werden nach oben gelenkt. Die übliche horizontale Betrachtungsebene verschiebt sich auf eine vertikale Ebene. Einzelne ausgewählte Objekte befinden sich wie kleine Leckerbissen in einigen Fächern. Sie locken das Publikum näherzukommen, den Raum von verschiedenen Perspektiven zu erfahren und zu erkunden. Sie unter- stützen die Konstruktionen in ihrer Einzigartigkeit und
zeigen gleichzeitig, welche Materialitäten momentan für die Klasse interessant sind und womit gearbeitet wird. Es geht hier weniger um ein didaktisches Projekt oder dass jedes Klassenmitglied im Regal vertreten ist, sondern vielmehr um eine Gruppenarbeit. Nachdem die Konstruktionen gebaut waren, wurden sie gemeinsam kuratiert.
Jeden Tag für zwei Stunden verändert sich diese Kuration, indem für jedes Objekt jeweils ein Feuerlöscher platziert wird. Dazu dröhnt das Lied »Gloria« von Laura Branigan. Diese schizophrene Ader der Arbeit macht auf die Vitalität und Dynamik von Gruppenprozessen aufmerksam und zeigt, wie flexibel diese Konstruk- tion genutzt werden kann. Diese Flexibilität wird auch nach dem Rundgang erhalten bleiben, indem die Regale zurück an die Wand ihrer Regalfunktion nachkommen, zur Ruhe kommen und auf ihren nächsten glorreichen Auftritt warten.
 































































































   63   64   65   66   67