Page 79 - Almanach2020
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   Klasse van Harskamp
»Ein Gespräch über künstlerische und private Konsequenzen«
Die Klasse Prof. van Harskamp kommuniziert per Zoom und Sciebo.
Nele Ziemer
Gib mir die Funktion einer Zwischenüberschrift, mach mich passend.
Victoria Loges
In der Zeit der Corona-Krise, die nach heutigem Stand in fast allen Bundesländern ein Kontaktverbot nach sich zieht, müssen sich die Menschen einer ungewohnten Si- tuation unterziehen. Alle sollen zu Hause bleiben. Nicht nur aus Solidarität anderen gegenüber, sondern auch aus Eigenschutz, um einer Ansteckung vorzubeugen. Ge- schlossene Geschäfte und Institutionen, menschenleere Straßen und Vermeidung sozialer Kontakte werden in der heutigen Zeit zur Norm. Wie lange müssen wir noch unter diesen Umständen leben?
In meinen Semesterferien hatte ich eigentlich vor, mich mit Freunden zu treffen, durch die Geschäfte zu gehen, um zu gucken, was es Neues gibt, und gemeinsam das schöne Wetter am Aasee zu genießen. Daraus wird wohl bald erst wieder was ... Unabhängig von den frei- zeitlichen Aktivitäten fehlt mir – wie allen Studierenden, glaube ich – der Gang zu den Bibliotheken, um Literatur für Hausarbeiten zu erhalten.
Viele äußern Langeweile und einen Mangel an effek- tiven Aufgaben in Zeiten des Kontaktverbots, der Aus- gangssperre oder der häuslichen Quarantäne.
Ich persönlich habe mit der momentanen Situation, im eigenen Haus zu bleiben, überhaupt kein Problem. Es ist eigentlich so wie immer. Aufgrund meiner Erkrankung werden mir täglich Grenzen gesetzt; mein Vorhaben – privat oder beruflich – bedarf immer der Planung und mit meinen sozialen Kontakten kann ich weiterhin pro- blemlos über Handy in Verbindung bleiben. Das, was die Menschen derzeit an einigen humanitären Einschrän- kungen erleben, ist für mich teilweise Alltag. Dann haben viele auch mal Zeit, darüber nachzudenken, wie Menschen mit Einschränkungen einen Alltag erleben ...
Arbeitsidee:
Ich muss einen Sandkasten bauen.
»Sandbox« = geschützter Speicherbereich, in dem Programme ausgeführt werden, um sie vor einem Zugriff von außen zu schützen; die entsprechenden Programme laufen nur in dieser Sandbox und haben keine Verbindung zur Außenwelt.
(ich denke, das ist sinnbildlich eine gute Sache)
Zurzeit sitze ich an Hausarbeiten oder erledige andere Sachen für das Studium – soweit es ohne Materiali- en, beispielsweise der Uni-Bibliothek, geht. Da dieses intensive Arbeiten überwiegend meinen ganzen Tag beansprucht, brauche ich auch mal Spaziergänge mit meinen Hunden an der frischen Luft. Zwischendurch habe ich noch verschiedene Therapien und beschäftige mich mit Übungen.
Ich bin gespannt, welche landes- und weltweiten Maßnahmen die Politik hinsichtlich der Krise in den kommenden Tagen bzw. Wochen treffen wird. Bei den vielen Meldungen der Medien sollte sich jeder am Ende selbst treu bleiben und keine Nerven lassen mit Fragen »Was passiert, wenn ...?« Wer positiv ohne Angst denkt, beweist Stärke. Das Virus fühlt sich bei den Menschen wohl, die ängstlicher reagieren. Davon bin ich überzeugt.
Tauben auf Gras sehen aus wie weidende Kühe. Parks sind eigentlich Zoos.
Kerstin Hochhaus
»Entschleunigung als Herausforderung«
Ich sitze am Laptop und schaue aus dem Fenster. Mal wieder. Was war? Ach ja, die Abrechnung. Ich drucke ein paar Seiten. Ausfüllen, lochen, abheften. Schon wieder der Blick aus dem Fenster. Hab’ ich Durst? Bestimmt, irgendwie. Ich schlurfe in die Küche und setze Wasser für Tee auf, das ich dann vergesse. Krch, krch. Mein Verlob- ter zwirbelt seinen Bart, während er im gemeinsamen Büro vor seinen Matheformeln brütet. Dieses Geräusch macht mich wahnsinnig. Ich übertöne es mit Musik alter Zeiten und Serien, von denen keine gut ist.
Arbeitsidee:
Man steht sich in der Stadt mit x Metern Entfernung gegenüber und das war’s.
Ich könnte so gut einfach alles fertig machen, um mich dann schönen Sachen zu widmen. Aber irgendwie kann ich nicht. Wenn ich am Abend zurückdenke, weiß ich kaum, wie ich die ganzen Stunden verbracht habe. Dabei habe ich einen geregelten Tagesablauf. Um 7:00 Uhr aufstehen, Mittagspause zwischen 12:00 und 13:30 Uhr. Aufs Trimmrad vor dem Abendessen, 20 oder 30 km wegradeln. Man muss die Zeit ja nutzen. Die Abrech- nung ist noch immer nicht fertig. Noch mal dransetzen? Nein, ist ja schon spät. Seit wann prokrastiniere ich? Ich erkenne mich selbst kaum. Irgendetwas ist leer in mir. Wie Fernweh, aber anders. Der Blick aus dem Fenster.
            











































































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