Page 85 - Almanach2020
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 haupt noch sagen? Wenn ich das richtig sehe, aber ich sehe es nicht richtig, war doch mal ganz anders gedacht, und bitte: Diese gebundene Reihenfolge einer zuckenden Maus ersetzt nicht das Umherschreiten zwischen diesen Arbeiten. Zeigen Sie mir doch noch mal das Bild mit dem einem verbogenen Goldschwan ähnelndem Objekt am roten Band, irgendwo gegen Mitte/Anfang Ihres Portfo- lios, Seite 8. Nein das andere. Weiter oben. Zwei Seiten zurück. Nebenbei diskutieren wir Filme und überprüfen, ob noch alle vorhanden sind. Das alles ist immer noch besser als nichts. Oder? Du wirst bekloppt, wenn du es nicht versuchst. Können Sie mich jetzt hören?
Schlechte Referate schaffen es irgendwie, in Zoom noch schlechter zu sein, aber sich während des Seminars umziehen zu können, ist schön. Den Laptop, den ich ei- gentlich für ganz andere Sachen habe, plötzlich für Se- minare zu nutzen, hat mir die Bedeutung von gesonderten Arbeitsgeräten und Räumen offenbart. Man kann auch Nudelsuppe essen, rauchen, schlafen oder Bier trinken, während man glaubt, ganz seriös zu wirken. Ungeduscht.
Der Raum misst 296 x 425 cm. Es gibt ein schmales Bett, eine Kleiderstange, einen Schreibtisch, ein niedriges Regal. Der Teppich lehnt zusammengerollt an der Wand, damit er nicht bald übersät ist mit Ölfarbflecken. Die längere Wand ist gepflastert mit Bildern. Kleinformate, seit Monaten, immer nur Kleinformate. Es sind Porträts der Leute, die sie normalerweise beinahe jeden Tag sieht. Es erscheint mir absurd, dass diese Serie gerade jetzt begonnen wurde, wo uns niemand mehr besuchen kann. Wenn wir morgens aufstehen, fallen wir unmittelbar in einen Farbtopf. Es gibt keinen Ort ohne unmittelbare Betrachtung der eigenen Arbeit. Keine Zigarette, kei- nen Kaffee, keinen kurzweiligen Weg ins Atelier, keine Gespräche mehr mit den anderen Suchenden. Keine Distanz und kein klärender Gedanke eines Wesens, das das eigene Tun mit etwas Abstand betrachten kann. Niemand, der morgens kommt und abends wieder gehen kann. Stattdessen 2 m2 Arbeitsfläche zwischen Schla- fen, Essen und leeren Bierflaschen.
But actually I enjoy the time.
      Klasse van Harskamp
»Website: Quarantäne WG«
»Rund um die Themen Covid-19, Kunst, Kultur, Politik und viele mehr freut sich die Klasse van Harskamp über Ihre Beiträge. Sie können Links oder Ihre eigenen Texte und Bilder senden. Oder laden Sie sogar Ihre eigene Video- und Audioarbeit über den Vimeo-Kanal der Klasse van Harskamp hoch. Senden Sie uns einfach eine E-Mail und wir werden für Sie loslegen.«
Diesem Aufruf folgten nicht nur Personen der Klas- se selbst und es entstand eine Zusammenstellung ver- schiedener Perspektiven auf die Situation in den ersten Monaten der Pandemie in Deutschland durch verlinkte Essays, künstlerische Arbeiten und eigene Textbeiträge.
             


























































































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