Prof. Dr. Nina Gerlach

Kunstwissenschaft/Prorektorin

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Nina Gerlach (geb. 1979) ist seit 2015 Professorin für Ästhetik und Kunstwissenschaft und seit 2018 Prorektorin an der Kunstakademie Münster. Sie studierte Europäische Kunstgeschichte, Alte Geschichte, Medien- und Kommunikationswissenschaften in Mainz, Heidelberg und Mannheim (M. A. 2005) sowie Medienkunst/Film an der staatlichen Hochschule für Gestaltung/Karlsruhe (ZP 2002).

2005 bis 2010 promovierte sie an der Universität Heidelberg im Fach Europäische Kunstgeschichte (Prof. Dr. Michael Hesse, Prof. Dr. Jürgen Müller / TU Dresden) und als Fellow an der Harvard University/Dumbarton Oaks. Ihre Dissertation wurde 2012 veröffentlicht (Gartenkunst im Spielfilm. Das Filmbild als Argument. Wilhelm Fink Verlag) und stellt die Rolle von Gärten als visuelles Argument in epistemologischen und moralphilosophischen Diskursen des Spielfilms heraus.

Von 2010 bis 2013 war Gerlach Mitglied des NFS Bildkritik (Eikones/Universität Basel). Hier untersuchte sie am Beispiel des Onlinevideos die Integration technologischer Innovationen in die Kunst und ihren Betrieb. Das Projekt führt Theorien der Interpikturalität und kognitionswissenschaftlicher Metaphern in die Kunsttheorie der Gegenwart ein.

In den Jahren 2006 bis 2015 war Gerlach Lehrbeauftragte der Universität Heidelberg, Basel, Friedrichshafen, der Universität zu Köln sowie Vertretungsprofessorin an der Kunstakademie Münster. Sie übt eine internationale Vortragstätigkeit aus (u. a. Kansai University Osaka, King's College London, Harvard University/Dumbarton Oaks, Technische Universität Dresden, Universität Zürich, University of St Andrews).

Nina Gerlach vertritt eine Kunstwissenschaft, die vor allem zentrale Herausforderungen der gesellschaftlichen Gegenwart in das Zentrum ihres Interesses rückt. Aktuell beschäftigt sie sich mit unserer postdigitalen Gegenwart und fragt: Welche Erkenntnisse liefern computerbasierte Malerei, Big-Data-Netzkunst und Filme über Künstliche Emotionale Intelligenz, die über das Interessensfeld der Kunstwissenschaft hinaus gesellschaftlich bedeutend sind?

  • Digitalität, Kunst/-betrieb und gesellschaftliche Gegenwart
    (Künstliche Emotionale Intelligenz, Big Data, Videoportale, Trans-/Posthumanismus, computerisierte Malerei seit den 1950er Jahren)
  • Ästhetik, Geschichte, Bild- und Medientheorie
    (Computerbasierte Künste, Film, Gartenkunst, Videokunst)
  • Kunsttheorie und -soziologie des 20. und 21. Jahrhunderts
  • Viskurse zeitgenössischer Kunst (Ethik, Epistemologie, Kunsttheorie, Menschenbilder)
  • Visual Culture Studies (u.a. Visual Children & Childhood Studies)
  • Kunst und Menschenrechte/Demokratie
  • 26.10.2020
    Autonomie Künstlicher Emotionaler Intelligenz als eine Frage des Vertrauens
    (Vortrag am Institut für Strafrecht und Strafprozessrecht, Universität zu Köln, Vortragsreihe Legal Tech)
  • 04.11.2020
    Alles eine Frage der Daten – Vom Suprematismus bis zum Big Data Mapping 
    (Vortrag am LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, Programmreihe Exkurse zum Thema Öffentlichkeit im Rahmen der Ausstellung The Public Matters)
  • „Ex Machina (2015): All-over-Ästhetik Künstlicher Emotionaler Intelligenz oder unsere Zukunft zwischen Technikdarwinismus und 'Vertrauensfrage'“. In: Marcus Stiglegger, Christoph Wagner (Hg.): Film, Bild, Emotion. Film und Kunstgeschichte im postkinematografischen Zeitalter (Zoom. Perspektiven der Moderne, Bd. 7). Berlin (Reimer, 2020, S. 386–417). Informationen zur Publikation auf der Website des Verlags
  • „Malerei und das Malerische im (post-)digitalen Zeitalter“. In: Kritische Berichte, Bd. 47, Nr. 1 (2019), S. 17–33.
  • „En prison / Im Gefängnis“ (Dr. Roger Mayou), Musée international de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge, Genf, 05.02.–18.08.2019 (Musée des Confluences, Lyon, 18.10.2019-26.07.2020 und Deutsches Hygiene-Museum, Dresden, 26.09.2020-31.05.2021) Bericht des Senders Radio Télévision Suisse zur Ausstellung
    • Montage „Vollzug“ (gemeinsam mit Roman Podeszwa, 2018)
  • Prorektorin der Kunstakademie Münster (seit 2018).
  • Mitglied des Beirats der Art Law Clinic des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht - Zivilrechtliche Abteilung, WWU Münster und der Kunstakademie Münster, Leitung Prof. Dr. Thomas Hoeren (seit 2018)
  • Vertrauensdozentin der Studienstiftung des deutschen Volkes (seit 2018)
  • Kommissionsmitglied der Studienstiftung des deutschen Volkes (2017)
  • Mitglied des Senats der Kunstakademie Münster (2016–2017, seit 2018 beratend)
  • Leitung (gemeinsam mit Stefan Hölscher) des Kolloquiums "Open-Frame (Post-)Disziplinäre Denkplattform für Kunststudierende" (seit 2017)
  • Vertrauensdozentin der Kunstakademie Münster (2016–2020)
  • Mitglied der Qualitätsverbesserungskommission der Kunstakademie Münster (seit 2016)
  • Mitglied des Review Boards Studies in Communi­ca­tion Sciences. Journal of the Swiss Association of Communication and Media Research (2010)
  • Mentoring Deutschschweiz des Schweizerischen Nationalfonds und des Bundesprogramms Chancengleichheit (2012-2014)
  • Reisestipendium (JP) der Universität Basel, Reisefonds für den akademischen Nachwuchs (2013)
  • Druckkostenzuschuss der Geschwister Boehringer Ingelheim/Stiftung für Geist­eswissenschaften (2011)
  • Druckkostenzuschuss der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Exzellenzinitiative, Graduierten­akade­mie (2010)
  • August-Grisebach-Preis des Instituts für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg für eine herausragende Promotion (2010)
  • Preis der Freunde der Gesellschaft der Freunde der Universität Heidelberg (Gruppenpreis für das interdisziplinäre Forum der Universität Heidelberg, 2009)
  • Reader- und Fellowship der Harvard University/Dumbarton Oaks (2007, 2008-2009)
  • Promotionstipendium sowie Forschungs- und Sprachreisestipendien (CA,  GB,  US) der Studienstifung des deutschen Volkes (2006-2010)
  • Ulrich-Hahn-Preis des Instituts für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg für besondere wissenschaftliche Leistungen im Fach (2005)

Nina Gerlach vertritt eine gegenwartsbezogene Kunstwissenschaft, die darauf zielt, die aktuelle gesellschaftliche Bedeutung von Kunst und ihren wissenschaftlichen Erschließungsformen stärker sichtbar zu machen. Dafür setzt sie an zentralen Ereignissen und Herausforderungen der gegenwärtigen Lebenswirklichkeit einer breiten Öffentlichkeit an. Digitalisierungsprozesse und gesellschaftliche Leitmedien bilden ihren medialen Fokus.

Die Erfindung digitaler Computer vor mehr als 60 Jahren wirkte sich frühzeitig auf die Malerei aus. Nutzten in den 1950er und 1960er Jahren neben experimentierfreudigen Physikern und Ingenieuren vor allem informationsästhetisch inspirierte Künstler das Medium, so wurde computerbasierte Malerei während der digitalen Revolution vor allem zum Schauplatz postmoderner Reflexionen medialer Identität. Seit der Jahrtausendwende vollzieht sich in Teilen der Malerei eine postdigitale Wende. Der wertfreie Einsatz digitaler Technologien wie Image Software, Data Mapping, Künstliche Intelligenz und 3D-Drucker sowie die damit verbundene Fortentwicklung traditioneller künstlerischer Strategien ist dort selbstverständlich.

Das Projekt arbeitet diesen Teil der Mediengeschichte der Malerei auf und ordnet die gewandelte Ästhetik sowie die neuen Produktionsverfahren und Motive in die historische Entwicklungsgeschichte der Gattung ein. Darüber hinaus ermöglicht es, traditionelle Beispiele der Malereigeschichte im Lichte informationstechnologischer Terminologie neu zu verstehen und aktuelle technologische Entwicklungen (z.B. Big Data, Künstliche Emotionale Intelligenz) sowie ihre gesellschaftliche Nutzung und Bewertung vor der Folie historischer Malerei verständlicher zu machen.

Das Projekt nimmt die durch Videoportale des Internets hervorgerufene neue mediale Situation der Videokunst in den Blick. Zur Anwendung kommen dabei bild- und kunsttheoretische sowie wissenssoziologische und kognitionswissenschaftliche Ansätze.

Im Zentrum steht die Frage, von welchem kunsttheoretischen Verständnis diejenigen Online-Videos gekennzeichnet sind, die von 2010 bis 2012 international ausgestellt wurden. Die Häufung bildrelationaler Bezüge in diesen Werken, die sich auf Beispiele des kunsthistorischen Kanons und das Graphical User Interface von Videoportalen beziehen, rückt eine interpiktorialitätstheoretische Erschließung in den Vordergrund. Dabei wird offensichtlich, dass den ausgestellten Online-Videos ein sogenanntes postmediales Verständnis zugrunde liegt. Im Sinne Krauss' (2000) setzt eine solche Kunstauffassung nicht im modernistischen Sinne das Wissen zum verwendeten Medium voraus, sondern verweist auf die Notwendigkeit seiner vorangehenden prozesshaften Herstellung. Die ausgestellten Videos stellen in diesem Sinne selbstreflexiv Erkenntnisse zu ihrer eigenen Medialität her, insofern sie Analogien und Differenzen zwischen Online-Videos und älteren Bildmedien ästhetisch ausloten.

Einen weiteren Schwerpunkt des Projekts bildet die Frage, unter welchen Bedingungen neue Ausstellungsdispositive – in diesem Fall das Videoportal – überhaupt von der Kunstgeschichte als Ausstellungsräume der Kunst wahrgenommen werden. Hierfür wurde der wissenssoziologische Ansatz der kognitiven Metapherntheorie genutzt. Bei diesem Ansatz geht es darum, dass generell in der Wissenschaft versucht wird, "Neues" mithilfe von Vergleichen mit bereits Bekanntem metaphorisch zu erschließen. Da die Forschung zu Videoportalen bis 2010 keinerlei Vergleiche mit künstlerischen Displays zum Verständnis dieser Präsentationsform herangezogen hatte, blieb folglich deren Nutzung als Ausstellungsraum der Kunst unentdeckt. Stellt man allerdings einen solchen Vergleich mit museologischen Begriffen an, so zeigt sich, dass im netzbasierten Zeitalter mit dem Videoportal ein museales Konvergenzdispositiv geschaffen wurde. Es mischen sich dort einstmals temporal und lokal voneinander getrennte Ausstellungsformen. Museen, Galerien, demokratisierte Formen der Wunderkammer und von Künstlern kuratierte Ausstellungen bilden einen hybridmedialen Ausstellungsraum.

Das Projekt stellt die semantische und ästhetische Aneignung und Weiterentwicklung historischer Gartenkunst durch den Spielfilm (seit 1945) in den Mittelpunkt. Anhand zahlreicher Beispiele der Filmgeschichte werden zunächst die (rezeptions-)ästhetischen Spezifika der filmischen Gartendarstellung geklärt. Hierbei kommen intermedialitäts- und raumtheoretische Ansätze zur Anwendung. Zudem wird der Frage nachgegangen, inwiefern filmische Gartendarstellungen nach historischen ästhetischen Idealen, wie etwa dem des picturesque, visuell organisiert sind.

Die Studie zeigt darüber hinaus, dass Filmgärten als kommunikative Zeichen zu verstehen sind, die nicht nur im Historienfilm Geschichtsbilder vermitteln, sondern auch spezifische moralische und kunstphilosophische Positionen popularisieren. So dient etwa im postmodernen Kino eine gesteigerte Künstlichkeit architektonischer Gartenkunst als ein kulturrelativistisches Argument gegen eine naturalistische Ästhetik. Der Genrefilm reduziert die Geschichte der Gartenkunst hingegen auf ein bipolares Stereotyp von Gut und Böse. Er platziert Schurken aus Agenten- und Antikriegsfilmen konstant in architektonischen Gärten und verbindet privates Glück in Kinder- und Liebesfilmen mit naturalistischen Werken. Im Sinne des ethischen Naturalismus bilden demnach der Naturzustand und die Entfernung von ihm in zahlreichen westlichen Spielfilmen die Referenzen für moralische Urteile. Unter Anwendung verschiedener kulturwissenschaftlicher Ansätze (u.a. Gender, Queer, Children & Childhood Theory) verdeutlicht das Projekt wie auf dieser Basis rassenideologisches Denken, Kapitalismus, Berufstätigkeit von Frauen, Homosexualität und eine naturwissenschaftlich orientierte Kindererziehung als unnatürliche Lebenspraxis vorgestellt werden.

Für diese Untersuchungsperspektive wurden die Methoden der Ikonographie und Ikonologie vor dem Hintergrund eines neu konzipierten visuellen Dekonstruktivismus überarbeitet.

Postdigitalität, Computer und Malerei

  • „Erkenntniskritische Datenvisualisierung – Vom Suprematismus bis zur künstlerischen Erforschung von Big Data". (in Vorbereitung)
  • „A Brief History of Computer-Based Painting“. (in Vorbereitung)
  • „Malerei, das Malerische im post-(digitalen) Zeitalter". In: Kritische Berichte, Bd. 47, Nr. 1 (2019), S. 17–33.

Science Fiction und Künstliche Emotionale Intelligenz

  • "Ex Machina (2015): All-over-Ästhetik Künstlicher Emotionaler Intelligenz oder unsere Zukunft zwischen Technikdarwinismus und 'Vertrauensfrage'". In: Marcus Stiglegger, Christoph Wagner (Hg.): Film, Bild, Emotion. Film und Kunstgeschichte im postkinematografischen Zeitalter (Zoom. Perspektiven der Moderne, Bd. 7). Berlin (Reimer, 2020, S. 386–417).
    Informationen zur Publikation auf der Website des Verlags

(Online-)Videokunst, Videoplattformen als Displays und Interpikturalität /-ikonizität

Gartenkunst im Spielfilm

(Europäisches, US-amerikanisches und japanisches Kino – Intermedialität – Viskurs – Visuelle Moral- und Erkenntnisphilosophie)

Dokumentarfilmtheorie und Tierfilm

Laufende Dissertationen

  • Malte Frey: „Cyberpunk Society. Posthumane Gesellschaft in visuellen Darstellungen von Postcyberpunk-Anime“ [Arbeitstitel]
    Kontakt und CV: www.maltefrey.de

Studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte