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 Lisa Dohmstreich und
Aduni Ogunsan
»Salzburger
Sommerakademie«
19.07.–20.08.2021 und 16.08.–28.08.2021
Eine Fachjury der Kunstakademie Münster nominiert bis zu zwei Studierende für das Stipendium. Nach der Nominierung erfolgt direkt die Bewerbung. Die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg wurde 1953 von Oskar Kokoschka als »Schule des Sehens« gegründet und ist die älteste ihrer Art in Europa. Jährlich besuchen derzeit etwa dreihundert Menschen aus über vierzig Staaten circa zwanzig Kurse an den zwei fixen Kursorten Festung Hohensalz­ burg und Kiefer Steinbruch in Fürstenbrunn sowie an temporären Standorten. Renommierte Künstler*in­ nen aus der ganzen Welt geben dort Kurse. Von der Kunstakademie Münster nahmen 2021 Aduni Ogunsan und Lisa Dohmstreich teil:
80 Millionen Jahre verharren die Atome dicht bei- sammen in einer hoch- und weitläufigen Felsformation am Rande von Salzburg. Wo sich nun doch, ein gutes Stück aber noch weit vom Berggipfel entfernt, eine kleine Ansammlung von alten Häusern, eine Menge fi- gurativer Marmorskulpturen, diverse Aussichtspunkte über das Salzburger Land und in riesigen Stufen aufein- anderfolgend glatte Felswände um einen kleinen Bach versammeln, wurde bis 1703 Marmor abgebaut und in die ganze Welt gesandt. Heute ist der Steinbruch zwar still- gelegt, er dient aber immer wieder als Anlaufstelle für Kunstschaffende, die sich in die Tiefen der Mineralien begeben. »Ich habe mein Herz an Stein verloren«, sagt der Betreiber des Steinbruchs, während hinter ihm seit
einer Stunde vier Steinbrucharbeiter Metallkissen von circa 1,5 m Durchmesser in einen dünnen Spalt schieben, der eine massive Scheibe Marmor von dem Gestein zu trennen sucht, aus dem sie stammt. Es wurden zwei circa 10 m lange Bohrlöcher an den Seiten der Wand eingelassen, um nun, nach verstrichener Zeit und Arbeit, die Metallkissen mit Wasserdruck aufzupumpen und die Wand langsam aber sicher Richtung Fall zu bewegen. Alle halten ihre Kameras bereit und warten aufgeregt, der Fall lässt auf sich warten – und dann, wie ganz von allei- ne, nur einen Moment in der Luft, ein Aufprall, der den Boden erschüttert und das Gestein in tonnenschwere Blöcke aus Marmor zerspringen lässt. Eine Landschaft aus Zerstörung ergibt sich, Jahrtausende, in Schichten gelagert, kommen zum Vorschein und lösen sich nach all dieser Zeit voneinander. Diese Zerstörung ist die Vor- aussetzung für jeden Schwung, jede Form, jede Figur, die sich nun in staubiger (meist geräuschvoller) Arbeit aus den Blöcken erhebt. Subtraktion ist, wie man es auch nimmt, der Weg, dem Stein einen neuen Kontext zu geben, ihn in Geschichten einzuweben, als Repräsentant oder Nutzfläche – Subtraktion macht ihn verwendbar und verwandelbar. Der Riss im Material als Ende und als Anfang, Zerstörung als natürliche Bewegung, die immer auch erschafft. In meiner Zeit im Steinbruch habe ich unter anderem einen Turm aus ausgepusteten Eiern gebaut, rundbäuchige Marmorspitzen geschliffen, kleine wirbelsäulenähnliche Hochhäuser aus Marmor und Ton konstruiert und eine Installation, die wie ein Modell einer Landschaft irgendwo zwischen futuristisch und seit Jahrhunderten verlassen, in einer Ruine aufgebaut. Nebenher Gips gegossen, Fehler gemacht, ausprobiert, Material gefunden und verloren und neue Techniken gelernt, die Salzburger Festspiele besucht. Alle hatten ihre sehr eigene Beziehung zu dem Ort und dem Ma-
  


























































































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