Jedes Jahr vergeben die Freunde der Kunstakademie Münster e. V. drei Förderpreise. Von den Klassenleitungen als besonders förderungswürdig nominierte Studierende präsentieren dazu in der Förderpreisausstellung, die in der Kunsthalle Münster stattfindet, ihre Werke.
Der Förderpreis wird von der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung unterstützt. Mit der Auszeichnung verbindet sich ein Geldpreis von insgesamt 4.500 Euro. Eine externe Fachjury vergibt drei Förderungen, auf die die Gesamtsumme nach Ermessen der Jury (meist zu gleichen Teilen) verteilt wird.
Bei der Eröffnung und Preisverleihung der 41. Ausgabe der Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie Münster e.V. in der Kunsthalle Münster wurden am Dienstag, den 7. Oktober, Mannan Atasoy, Zahraa Khanafer und Suyeon Prana Kim jeweils mit dem Förderpreis ausgezeichnet.
Die Förderpreisausstellung zeigt Arbeiten von Studierenden aus den 13 künstlerischen Klassen der Akademie Den unterschiedlichen Schwerpunkten entsprechend sind in der Ausstellung Werke aus verschiedenen Gattungen zu sehen.
Eine unabhängige Fachjury zeichnet jedes Jahr drei Positionen mit dem Förderpreis aus, gestiftet von den Freunden der Kunstakademie Münster und – dank großzügiger Unterstützung der Provinzial Münster – verbunden mit einem Geldpreis von jeweils 1.500 Euro.
In diesem Jahr bestand die Jury aus Jana Bernhardt (Skulptur Projekte Archiv/ LWL-Museum für Kunst und Kultur), Noemi Weber (Künstlerin, Düsseldorf) sowie Alexander Wilmschen (Kurator, Kestner Gesellschaft, Hannover).
Die Kunstakademie Münster gratuliert den Gewinner*innen herzlich und bedankt sich bei den Freunden der Kunstakademie Münster e.V. sowie der Kunsthalle Münster für die großartige Unterstützung unserer Studierenden.
Mit Arbeiten von: Mannan Atasoy, Max van Dorsten, Lennart Haffner, Jenni Hoppel, Zahraa Khanafer, Lea Klein, Laris Maas, Suyeon Prana Kim, Joel Radermacher, Malte Reuter, Hyesung Ryu, Martin Schlathölter, Martin Steinfeld.
Ausstellungszeitraum: 07.10. – 23.11.2025 | Kunsthalle Münster, Hafenweg 28. Öffnungszeiten: Di. – So., 12:00 – 18:00 Uhr.
Preisträger*innen: Mannan Atasoy, Zahraa Khanafer und Suyeon Prana Kim
Statements der Jury:
„Besonders überzeugt hat uns die Bodeninstallation bodies out of place (2025) von Mannan Atasoy. Er arbeitet hier mit Blöcken aus Aleppo-Seife - einer Naturseife aus Oliven- und Lorbeeröl, die in Syrien und den angrenzenden Regionen als Symbol für Reinheit, Handwerk und kulturelle Kontinuität gilt. Dieses seit Jahrhunderten so hergestellte Material trägt ein Erbe, das von Migration, Erinnerung und Übersetzung erzählt. Wir fanden spannend, wie sich zwischen den Seifenblöcken Leerstellen öffnen, in denen poetische Texte erscheinen. Sie erinnern an Wegmarken, die von Bewegung, Verlust und Neubeginn sprechen. Die Fragmente deuten Routen an, die sich verlaufen oder neu formieren, und werden zu einem Bild für Übergänge zwischen Sprachen, Kulturen und persönlichen Geschichten. Die Ambivalenz des Materials ist zentral: Einige Blöcke bestehen aus Seife, andere aus Gips oder aus einer Mischung beider Stoffe. Diese Unsicherheit wird durch das wackelnde Schriftbild zum Sinnbild fragiler Identitäten und für das Ringen um Sprache und Ausdruck in Momenten, in denen kaum Raum zum Sprechen bleibt. Atasoy überzeugt mit seiner Arbeit durch den präzisen Einsatz kultureller Symbole, die Verbindung von poetischer Sprache und ambivalentem Material sowie durch seine sensible Auseinandersetzung mit Fragen nach kultureller Identität und dekolonialen Prozessen. Besonders die Sprache in seiner Installation erzeugt eine poetische Spannung zwischen Sichtbarkeit und Verstummen. Die Aleppo-Seife ist ein zentrales Objekt der Erinnerung und kultureller Zuschreibung und wird zum Träger einer geteilten Geschichte zwischen Syrien und Deutschland, zwischen Herkunft, Krisen und Neubeginn.“
Die Arbeit vom osten, aber eigentlich von hier, und vom aushalten, aber eigentlich nicht mehr können von Zahraa Kahnafer „(…) stellt die Frage inwieweit Objekte Implikationen jenseits ihrer Situiertheit in sich tragen können und ob es einen Raum gibt, in dem sie nicht immer Artefakte ihrer soziokulturellen Umgebung sind. Die ornamental anmu tenden Muster und konkreten Labels der am Boden platzierten Textilien insinuieren vermeintlich spezifische Bezüge; simultan entziehen sie sich durch ihre rohlingsartige Formensprache und werden zu symbolisch wirkenden Platzhaltern. Das Kopftuch als politisiertes Textil wird in der Arbeit, von Zahraa Khanafer vom osten, aber eigentlich von hier, und vom aushalten, aber eigentlich nicht mehr können zu einem Container, um über Machtverhältnisse und Resilienz zu sprechen. Besonders aufgefallen ist Kha nafers Arbeit auch durch ihre präzise Installation: der üblicherweise Transitraum vor der Kunsthalle wird eine Membran, eine eigene Örtlichkeit, welche sowohl über Schwellen und Zuschreibungen als auch über die Möglichkeit zur Raumnahme und Neuausrichtung aus einer marginalisierten Position heraus spricht, um Neuverhandlung gesellschaftlicher Konventionen zu gestalten.“
Suyeon Prana Kim
„Wir verstehen die Arbeit als Einladung in eine tiefgehende künstlerische Recherche ein zutauchen, Platz zu nehmen und neue Perspektiven zu erschließen. Eine große Qualität der Arbeit sehen wir im poetischen Umgang mit den unterschiedlichen Materialitäten, die in einer feinstofflich-skulpturalen Installation zusammenkommen. Aus lyrischer Sprache, Elementen unterschiedlicher Haptiken und Texturen – von zarter Seide bis kühlem Stahl – und rituellen Objekten entsteht ein vielschichtiger Resonanzraum. Die Arbeit erlaubt ein Sich-in-Bezug-Setzen: zu uns selbst, aber auch übergeordnete Themen wie Abschied, Erinnerung, zwischenmenschliche und nichtmenschliche Beziehungen, Umwelt und Kosmos. Überzeugt hat uns letztlich die Kohärenz zwischen Inhalt und Form, weswegen wir uns freuen, Suyeon Prana Kirn mit dem Förderpreis auszeichnen zu dürfen. Herzlichen Glückwunsch!“
Zum 40. Mal fand die Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie Münster statt, die Arbeiten von insgesamt 15 Studierenden zeigte: Sierra Louise Diamond + Leya Christin Wüllner, Pascale Feitner, Philipp Hermeling, Chu Chun Hsu, Louis Klingbeil + Vincenzo Pantó, Selena Knoop, Eva Sofie Lonken, Tamara Malcher, Camilla Noell, Nane Rau, Daniel Schwinge, Jana Theml, Alla Zhyvotova.
Die Förderpreisausstellung ist ein besonderes Ausstellungsformat, das keinen thematischen Vorgaben folgt. Vielmehr kann sie als eine Plattform gesehen werden, die es den Studierenden der Kunstakademie Münster ermöglicht, ihre Arbeiten in den Räumlichkeiten der Kunsthalle Münster einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Entsprechend der 13 Klassen werden in der Ausstellung unterschiedliche Schwerpunkte und verschiedene Medien, wie Malereien, Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Videos, zu sehen sein.
Aus den künstlerischen Positionen zeichnete die Jury – bestehend aus Agnieszka Skolimowska (Kuratorin in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf), Moritz Scheper (Direktor des Neuen Essener Kunstvereins) und Olga Holzschuh (Künstlerin, lebt und arbeitet in Köln und Düsseldorf) – insgesamt drei Preisträger*innen aus:
„Dem Alltag entrissene, teils autobiografische Erzählungen und Beobachtungen finden in unterschiedlichen Medien und Materialien ihre Übersetzung auf die Wand. Die assoziativen Fragmente, Spuren und Leerstellen ziehen an und irritieren zugleich, ebenso wie die Platzierung der Installation unterhalb der Augenhöhe, die allein schon eine gewisse Sensibilität für die Umsetzung im Raum erfordert und mit unseren normierten Erwartungen bricht. Verletzungen und Spuren dieser alltäglichen Beobachtungen und Lebenserfahrungen lassen sich als neues Wissen hinter einer hautähnlichen Latexschicht oder verblassend als Narben auf der Oberfläche von Papier, Fotografien, Textilien und in Texten erahnen und finden. Sie finden hier eine offene, poröse und teilweise schützend versiegelte Übertragung ins Material. Die sen-sible Beobachtung und poetische Umsetzung – idiosynkratisch in Form, Material und Inhalt – überzeugt in ihrer Akribie, Neugierde und Verletzlichkeit. Die Arbeit sucht, aber sie sucht nicht planlos. Sie kennt das Ziel nicht, aber weiß, in welche Richtung es gehen soll. Aus dem Grund hat uns die sehr feine, leise Installation von Selena Knoop direkt überzeugt.“
„Die Schwierigkeit der künstlerischen Ausbildung ist ja, einen für sich funktionierenden, eigenen Weg zu finden. Eine Sprache nicht zu lernen, sondern sich zu erschließen. Das kann auch bedeuten, Dinge und Wissensgebiete zu inkorporieren, die einem naheliegen, und eventuell noch tiefer darin abzutauchen. Bisweilen so hart abzunerden, dass etwas Neues dabei herauskommt. Bei der zweiten auszuzeichnenden Position des Abends hat uns gefallen, wie konzise männlich dominierte Diskurse und Narrative aufgegriffen werden, und zwar mit technisch ihnen anhänglichen Mitteln. Spätestens mit der US-Wahl Anfang November ist die Doktrin der wirtschaftlichen und politischen Disruption stärker ins Zentrum des gesellschaftlichen Interesses gerückt. In der Folge macht sich ein bis zur Toxizität männlicher Diskurs, der die eigentlich überholte Fortschrittsrhetorik des Space Age reaktiviert hat, in der Arena des Öffentlichen breit. Es benötigt Feingefühl, Expertise, Selbstreflektion und sicherlich auch Leidensfähigkeit, die Breitbeinigkeit von der Kolonialisierung des Weltraums – die ja immer auch ein Abgesang auf Mutter Erde bedeutet – zu sezieren. Zumal die Fallstricke zahlreich sind, da die Bombastik der Inhalte schnell jegliche Kritikalität überschreit. Im Falle der 2-Kanalinstallation Dreaming the Future, Blazing the Heavens ist das unserer Meinung sehr gut gelungen, daher zeichnen wir Philipp Hermeling sehr gerne mit dem Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster aus.“
„Die grundlegenden Prinzipien der Arbeit von Alla Zhyvotova sind Bewegung und Transformation. In ihrer halb-organisch, halb-technisch anmutenden Installation reflektiert die Künstlerin die wechselseitigen Verhältnisse zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Wesen. Sie nimmt Bezug auf den Dortmund-Ems-Kanal und formt aus ungebranntem Ton minutiös die Lebensformen nach, die sich in dieser künstlich geschaffenen Umgebung angesiedelt haben. Die Künstlerin lässt eine Grundstruktur, die aus Schläuchen besteht, bewachsen und sich das Organische mit dem Technologischen verbindet. Sie schafft einen Kreislauf, der den Prozessen der Transformation in der Natur ähnelt und über mögliche Zukunftsszenarien nachdenken lässt. Die Jury schätzt besonders die Herangehensweise der Künstlerin an verwendete Materialien, sowie die Art und Weise, in der sie den Bogen von aktuellen Diskursen über den Anthropozentrismus zum lokalen Kontext schlägt.“
Ausstellungzeitraum: 18.12.2024 – 16.2.2025
Zum 39. Mal fand die Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie Münster statt, die Arbeiten von Studierenden der insgesamt 13 Klassen der Kunstakademie Münster zeigt: Salomé Berger, Marisa Ehmen, Lucia Ertel, Amelie Hirsch, Philip Jordan, Hansol Kang, Lim Kim, Katarina Kloppe, Leon-Maxim Lindner, Arezoo Molaei, Sophia Nefe, Jona Sliwka, Marvin Wunderlich.
Ausstellungsteitraum: 18.10. – 12.11.2023
Preisträger*innen: Lucia Ertel, Arezoo Molaei und Jona Sliwka
Begründung der Jury:
Lucia Ertel – Was in der Video Arbeit „Deine Erinnerungen“ besticht, ist die Einfühlsamkeit, mit der sich die Erinne-rungen der eigenen Eltern dokumentarisch sowie im Zwiegespräch entfalten und mit der eigenen Realität verweben.
Aus Russland kommend, wird zunächst der Weg der Eltern nach Deutschland in den frühen 2000ern nachempfunden. Ohne moralisch oder wertend zu kommentieren, zeigt Lucia Ertel den Zustand des Transits zwischen verschiedenen Welten umso eindringlicher.
In so unscheinbaren Situationen wie dem Besuch eines Heimatmuseums in der neuen Heimat oder der Betrachtung der zurückgelassenen Heimat verliert sie sich nie in Sentiments oder Ressentiments, sondern offenbart auf subtile Art und Weise die der Situation inne liegende Komik.
Das immer wieder auftauchende Motiv der Jagd erscheint wie ein Fokus, ein Pfeil, der sich durch das Wechselspiel aus persönlicher und interpersönlicher Erinnerung zieht.
Arezoo Molaei – Die Frage, ob man überhaupt noch Kunst machen und wie man darüber sprechen kann, wenn Zer-störung und politische Instabilität uns umgeben, durchzieht die Arbeit der zweiten Künstlerin, für die sich die Jury einstimmig entschieden hat. Die Beschäftigung mit Rastern, Linien und Punkten und die Repetition ein und derselben Form, die in unterschiedlichen medialen Übersetzungen auftau-chen, bilden die Grundlage ihrer Arbeiten in der Kunsthalle Münster. In Arezoo Molaeis „A Garden of Walnut Trees“ (2023) wird eine Spannung zwischen dem Haltgebenden, Stabilen und dem Unkon-trollierbaren und Vorgefundenen spürbar, die die Künstlerin in eine poetische visuelle Sprache über-setzt. Molaei, geboren 1986 in Aligodarz, Iran, reiht Punkte und Striche akribisch aneinander und spielt formale Variationen durch, die ebenso von einer persönlich-dringlichen wie ästhetischen Aus-einandersetzung mit Form, Farbe und Format zeugen.
Jona Sliwka – Das bemerkenswerte an Objekten wie variant I, II, oder Profil I sind nicht nur die anregend schwer zu fassende Form des Marmors (Rohrschachtest? Gestische Linien? topographische Elemente?) oder die metallenen Schrauben und Gewinde, Platten und Gelenke, die sie halten. Es ist vielmehr der Materialkontrast von beiden und ihre eigenwillige, anthropomorphe Zusammenführung, die Jo-nas Sliwkas (geb. 1996) Arbeiten auszeichnen. Dass seinen Objekten sowohl das Tafelbild, als auch die Marmorskulptur im Raum innewohnt, dass die rückseitige Beschriftung in Rot auf der Marmorplatte sichtbar bleibt und zentrale Fragen der Bildhauerei vorwegnehmen – also Skulptur – und dem hinzufügen – also Plastik – die Formgebungen bestimmen, versprechen, dass auch in Zukunft Interessantes, Neues und vor allem Relevantes von ihm zu sehen sein wird.
Zum 38. Mal fand die jährliche Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie Münster statt. Zu sehen waren Arbeiten von Studierenden aus insgesamt 13 Klassen der Akademie: Rabia Caliska, Katrin Fischer, Theresa Heitfeld, Vivienne Ibach, Anna Ko, Helene Kuschnarew, Anna Lisei Math, Simon Mehling, Kenske Miyano, Samira und Erick Mora Sosa, Robin Neumann, Johanna Thoss und Jie Xu. Die Förderpreisausstellung ist ein besonderes Ausstellungsformat, das keinen thematischen Vorgaben folgt. Vielmehr kann sie als eine Plattform gesehen werden, die es den Studierenden der Kunstakademie Münster ermöglicht, ihre Arbeiten in den Räumlichkeiten der Kunsthalle Münster einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Entsprechend der 13 Klassen mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten sind in der Ausstellung Werke der Malerei, Skulptur, Zeichnung, Installation und Video zu sehen.
Aus den künstlerischen Positionen hat die Jury – bestehend aus Ji Sue Byun (Kuratorin BLOOM, Düsseldorf), David Ostrowski (Künstler, Köln) und Marianne Wagner (Kuratorin LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster) – am 5. April 2022 Simon Mehling, Robin Neumann und Johanna Thoss mit dem Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster ausgezeichnet. Sie erhielten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro.
Statements der Jury:
Die Jury zeichnet die Arbeit „Wohntrichter“ von Simon Mehling aus. In Form eines spitzen Dreiecks aus Massivholz, Stahl und Pressspanplatten ragt eine Skulptur in den Raum, die aufgrund ihrer einfachen Formsprache an eine Schutzbehausung erinnert. Obwohl der Wohntrichter keineswegs für die Betrachtenden betretbar oder bewohnbar ist, zitiert er doch Aspekte des Schutzes: Ein Dach, ein Boden, eine Beleuchtung und damit ein Innenleben, das sich deutlich vom Außen abgrenzt. An diesem Werk hat die Jury den Umgang mit Raum und Material überzeugt. In der Kunsthalle Münster, inmitten der Förderpreisausstellung, gibt diese Arbeit auf einer eher abstrakten Ebene einen Anstoß, über das Verhältnis von Außen und Innen nachzudenken. Mit Blick auf die Holzplatten findet hier nicht nur ein Wechsel von Material in einen neuen Kontext statt: Simon Mehling vollzieht mit den bemalten Oberflächen auch ein Transfer zwischen Skulptur und Malerei.
Robin Neumann arbeitet mit verschiedenen Medien, die sich durch Reproduktion perpetuieren. Der Künstler zeigt viel Potenzial, das die Jury fördern möchte. Das Werk generiert ein Innen und Außen, es spielt mit dem Raum und schafft eine körperliche Erfahrbarkeit. Fragen über die eigene Identität und seine Umwelt spielen eine große Rolle und bleiben noch offen zur Interpretation und weiteren Entwicklung.
Johanna Thoss hat ihr Werk „Unicode“ klar im Raum durchdacht und platziert, die Arbeit ist sowohl auf dem Boden wie auf der Wand installiert. Das Publikum tritt in das Werk hinein und wird inkludiert. Die Jury überzeugt die eigene Bildsprache in Form von Piktogrammen, die von der Künstlerin individuell kombiniert werden und dabei dennoch interkulturell zu verstehen sind. Außerdem ist der Umgang mit dem Material zu loben, welches sie nicht zuletzt aufgrund der Imitation der Holzoberfläche ganz unterschiedlich nutzt.
Auch in diesem Jahr wurde die Schau in enger inhaltlicher Zusammenarbeit zwischen dem Team der Kunsthalle Münster und den Studierenden der Kunstakademie realisiert. Das Konzept bietet Fachgespräche und Diskussionen mit den Studierenden zu ihren bisherigen Arbeiten und ihrer künstlerischen Praxis an.
Aus den 13 künstlerischen Positionen zeichnete die Jury – bestehend aus Leonie Pfennig (Kunsthistorikerin, freie Autorin und Redakteurin, Köln), Rebekka Seubert (Künstlerische Leiterin des Dortmunder Kunstvereins) und Hanns Lennart Wiesner (freier Kurator, Berlin) – am 2.März 2021 Tuğba Durukan, Aduni Ogunsan und Yasin Wörheide mit dem Förderpreis der Freunde der Kunstakademie aus.
An der Förderpreisausstellung 2021 nahmen teil:
Robin Bolt, Petra Bresser, Tuğba Durukan, Charlotte Hilbolt, Kerstin Hochhaus, Maho Khutsishvili, Johanna Knoblauch, Peter Lepp, Aduni Ogunsan, Nette Pieters, Meike Schulze Hobeling, Mila Stoytcheva und Yasin Wörheide.
Jurybegründung zu Preisträgerin Tuğba Durukan
Jurybegründung zu Preisträgerin Aduni Ogunsan
Jurybegründung zu Preisträger Yasin Wörheide
2019 zeichnete die Jury – bestehend aus Nikola Dietrich (Direktorin Kölnischer Kunstverein), Christian Katti (Philosoph, Münster) und Mario Pfeifer (Künstler, Berlin) – Aleka Medina, Daphne Klein und Lisa Tschorn mit den Förderpreisen aus.
An der Förderpreisausstellung 2019 nahmen teil:
- Tobias Doerr
- Natalia Filatova
- Julia Flaswinkel
- Marlena Gundlach
- Daphne Klein
- Valentino Magnolo
- Irina Martyshkova
- Aleka Medina
- Daniel Saul
- Hanna Schneider
- Lisa Tschorn
- Peter Volkhardt
- Lea Marie Wächter
- Jana Weigelt-Harth
Die Begründung der Jury:
Aleka Medina, »Long Limbs«, 2019, Vlies und Wolle: »Für auszeichnungswürdig hält die Jury diese poetische, leise Arbeit, die auf einen ganz anderen kulturellen, als den hiesigen Kontext verweist, der unsere Aufmerksamkeit und Anteilnahme verdient.
Im Zentrum dieser Arbeit stehen die Rechte und die Sichtbarkeit von Frauen, ihre Stimmen und ihre nach wie vor nicht ausreichend etablierte Gleichstellung in unserer globalen Gesellschaft – eine Arbeit die über Migration und Identität reflektiert.
Die Künstlerin fordert Solidarität mit jenen Frauen, die einerseits ihre Tradition nicht aufgeben wollen, aber den gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprechen können oder wollen.
Die raumgreifende Textilinstallation, bestehend aus handgenähten, an Gliedmaßen erinnernde Körperteile wie Arme und Beine, schafft durch Leichtigkeit einerseits auf traditionelle Kulturtechniken des Nähens und Webens zu verweisen. Andererseits ruft sie aktuelle soziale und politische Missstände in Lateinamerika hervor: Demonstrierende ChilenInnen die von der Polizei verprügelt und verhaftet werden. Demonstrierende MexikanerInnen, deren Töchter, Söhne und FreundInnen von Drogenkartellen ermordet oder verschleppt wurde, während die Polizeikräfte hilflos agieren. Oder Frauen in Guatemala, die gegen jahrzehntelange staatliche Gewalt, Folter und Verschleppung auf die Straße gehen.
Wir zeichnen Aleka Medinas Installation »Long Limbs« aus und hoffen, dass Sie ihre künstlerische Arbeit weiterhin kompromisslos vorantreibt.«
Daphne Klein, »Pol edance Anti-Mimesis«, 2018, HD, 7´47´´: »Daphne Klein zitiert die ikonische 360-Grad-Filmeinstellung von Michael Ballhaus aus Fassbinders »MARTHA« von 1973, in dem die Kamera das Paar, von dem sich jeder selbst nochmals um die eigene Achse dreht, bei der ersten schicksalhaften Begegnung desorientierend umkreist. (Eine 360-Grad-Einstellung charakterisiert das Verhältnis zwischen Karlheinz Böhm & Margit Carstensen.)
Daphne Klein stellt diese Kamerafahrt jedoch auf Dauer und lässt eine Poledance-Stange zur narrativen Achse eines rotierenden Bildes werden, auf dem eine ›Tänzerin‹ (eine junge Frau) sich in sichtbarer physischer Anstrengung vom Boden hebt, um in zwei farblich verschiedenen Outfits – Schwarz und Weiß – das daran anhaftende Rollenbild zu verwandeln.
Zwei Stabheuschrecken tasten sich scheinbar schwerelos in somnambuler Anverwandlung an der Metallstange entlang. Ihre rhythmischen, mimetisch schwingenden Bewegungen ahmen eine abwesende Natur nach, die ein um die Szene gebauter Green-Screen ersetzt.
Dieses anti-mimetische »tableau vivant« zwischen bildlicher Mimesis und der rotierenden Diegese der Kamera, zwischen Insekten-Mimikry einer abwesenden Natur und der physischen Schwerstarbeit an der Stange hat die Jury durch die souveräne Abstimmung formaler und inhaltlicher Konfrontationsebenen
überzeugt.
Lisa Tschorn, »Performance-Probleme. Learnings und Reflektionen«: Das Scheitern gehört zur Kunst und Künstlerexistenz schon seit jeher dazu – als Sehnsuchtsidee, von etwas, das außerhalb gesellschaftlicher Konventionen stehen kann, als Zuschreibung von außen ebenso wie als Selbstdefinition für KünstlerInnen. Der permanente Zustand des Nichterreichens oder des Nichteinhaltens von Rahmenbedingungen oder kategorialer Bestimmungen birgt auch kreatives Potential.
In einer neuen Performance arbeitet Lisa Tschorn mit der Offenlegung von ungünstigen Umständen ihrer, wie es scheint, zunächst wenig erfolgsversprechenden früheren Performances. Unter dem Titel Performance-Probleme, Learnings und Reflektionen tritt sie den Ausstellungsbesuchern bereits im Fahrstuhl auf dem Weg nach oben (dem Weg zum Erfolg?) entgegen und schildert mit Projektionen an die Fahrstuhltüre oder an die Wände der sich öffnenden Räume von einst stattgefunden Performances, von deren Durchführung, die aus diversen Gründen missglückt waren, oder kein dokumentarischen Nachleben erfuhren, weil eben etliche Faktoren und Personen am Zustandekommen und an der Verbreitung ihres künstlerischen Weiterkommens beteiligt sind.
Die lange, fast schon schwindelerregende Fahrt durch die Stockwerke – nach unten, nach oben, in den Keller, und wieder hinauf in die Ausstellungsräume – und durch die Geschichten der KünstlerIn scheint genau diesen Zustand des möglicherweise Nie-Ankommens und des Dazwischen-Schwebens fassbar und spürbar zu machen.
Wir wünschen ihr bei dem Fortgang ihrer Geschichte viel Erfolg!
2018 zeichnete die Jury - bestehend aus Anna Lena Seiser (Kuratorin Kunsthalle Düsseldorf), Dominik Sittig (bildender Künstler, Berlin) und Merle Radtke (Leiterin Kunsthalle Münster) - Javkhlan Ariunbold, Kai Bomke und Hyein Han mit den Förderpreisen aus.
An der Förderpreisausstellung 2018 nahmen teil:
Javkhlan Ariunbold, Nadine Bethke, Kai Bomke, In Hee Choo, Sarel Debrand-Passard, Adrian Ferdinand, Frederike de-Graft, Verena Gründel-Brechler, Tarabea Guastavina, Hye In Han, Niklas Heidemann, Lena Hoffmann, Pia Jauch, Judîth Kaminski, Jiyeon Kang, Peter Karpinski, Mustafa Khalaf, Lennart Kinne, Ilsuk Lee, Felipe Arturo Morinelly Sánchez, Fridolin Mestwerdt, Angelika Rauf, Sophie Rebentisch, Veronika Simmering, Helena Stegmann, Alexander Wierer.
Die Jury über die Preisträger:
"Javkhlan Ariunbold hat uns überzeugt mit ihrer spezifisch für die Räumlichkeiten der Kunsthalle
entwickelten Arbeit "Mäander". Das gleichnamige Zierornament ist bekannt aus der griechischen
Antike. Das Mäanderband irritiert durch seinen Anachronismus, nimmt aber, ausgehend von
Farbigkeit und Schattenwurf der Deckenkonstruktion, gekonnt Bezug auf die Gegebenheiten des
Raums. Es hat uns beeindruckt, wie reduziert und präzise die Arbeit eine Verbindung zwischen
verschiedenen Zeiten und kulturellen Räumen schafft."
"Es braucht einen Moment des Innehaltens um Eugen Schnabels (Kai Bomke) Arbeit als solche zu erkennen. Was auf den ersten Blick wie ein Ready Made erscheint, wird durch seine Positionierung und vor allem durch die herabhängende tote Taube wieder in Zweifel gezogen. Aus dem Schnabel des Tiers
rinnt alle 40 Sekunden ein Tropfen, dessen Aufprall im Putzeimer akustisch verstärkt nachhallt.
In ihrem beiläufig scheinenden Arrangement spielt sie mit der Erwartungshaltung und gängigen
Betrachtungsgewohnheiten: obwohl sich die Arbeit eine große Offenheit beibehält, ist es eine in
sich geschlossene Komposition, die ins Poetische weist."
"Nach der Teilung Koreas im Jahr 1945 erlaubte die südkoreanische Regierung Prostitution, die zuvor illegal war, in einem Radius von zwei Kilometern vor dem US-amerikanischen Militärlager. "The role of sex" von Hyein Han behandelt die bis heute anhaltenden Auswirkungen dieses perfiden (wenn auch nicht ungewöhnlichen) Tauschgeschäfts. Dabei bringt sie Bilder aus unterschiedlichen Quellen assoziativ zusammen, um die Gegenwart zu schildern ohne diese unmittelbar abzubilden. Ein durchdringender Sound intensiviert die beklemmende Stimmung des Films. Der Einsatz von Found Footage, Animation und selbstgedrehten Sequenzen verbindet sich zu einer eigenständigen Sprache, die jenseits des Dokumentarischen Realität erzeugt."
2017 wurden Niklas Fischer, Lioba Schmidt und Zauri Matikashvili mit dem Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster e.V. ausgezeichnet. Der Jury gehörten Dr. Susanne Meyer-Büser, Kuratorin für zeitgenössische Kunst im K21, der Bildhauer Felix Schramm (beide Düsseldorf) und Dr. Gail B. Kirkpatrick, Leiterin der Kunsthalle Münster, an. Die künstlerische Leitung haben Prof. Nicoline van Harskamp und Prof. Dirk Löbbert, Kunstakademie Münster, inne. Der Geldpreis wurde von der Jury auch in diesem Jahr zu gleichen Teilen vergeben.
An der Förderpreisausstellung 2017 nahmen teil:
René Haustein, Philipp Höning, Christina Dunkel, Katharina-Sophie Heck, Monika Gebauer, Ayoung Woo, Bastian Buddenbrock, Jana Rippmann, Kerstin Janzen, Raol Morales, Yoana Tuzharova, Justyna Janetzek, Fabian Coppenrath, Lioba Schmidt, Zauri Matikashvili, Niklas Fischer, Juli Lee, Ruben Felix Ferdinand Gährken, Marie Samrotzki, Bastian Blau, Jörg Kratz, Jan Lukas Uptmoor, Chiemi Nakagawa, Fabian Warnsing, Benjamin Bode, Philipp Reuver.
Die Jury über die PreisträgerInnen:
"Niklas Fischer schafft es mit seiner Videoinstallation "Keep it up!" unter Einsatz minimalster Mittel, Spannung zu erzeugen. Die Ausgangssituation ist denkbar einfach: Ein junger Mann zieht sein T-Shirt an und aus. Die Szene ist verdoppelt. Nur durch das Nebeneinander entsteht der Eindruck einer Spiegelsituation, die Handlungen laufen parallel. Dabei sind es einzelne Aufnahmen, die in manchen Sequenzen zusammenfallen und dann wieder völlig auseinanderdriften, z.B. gleitet in einer Einstellung das T-Shirt aus der Hand - und in der anderen nicht. Dabei bleiben Orte und Personen neutral. Es gibt keine zeitliche Verortung. Gleichzeitig berührt uns diese Szene aufgrund der menschlichen Nähe und Körperlichkeit. Das beharrliche und rhythmische An- und Ausziehen mit sehr reduzierten Mitteln verdichtet sich zu einer sinnfreien, mechanischen Tätigkeit.
Ganz anders verhält es sich in der zweiten Video-Installation, die den Torso eines Motorrads fokussiert: Rhythmus und Rhythmusverschiebung wird dort auf mechanische und körperliche Weise miteinanderverschränkt."
"Die Arbeit "Have you got any ink under your skin?" von Lioba Schmidt zeigt Fotografien von tätowierten Menschen, deren Umgebung und Köpfe durch schwarze Farbe übermalt sind. Der Betrachter ist von der Haptik der Oberflächen fasziniert, da zwischen den gestisch-schwarzen Farbaufträgen und den fotografischen Partien der Haut ein spannungsreiches Wechselverhältnis entsteht. Es geht um Oberflächen und deren Verletzlichkeit, um das Changieren zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Die Malerei wird zu einer zweiten Haut, greift aber auch auf kunsthistorische Bezüge aus der Renaissance und der Jahrhundertwende zurück. Morbide, erotische Vorstellungswelten werden ebenso berührt wie sakrale Zusammenhänge. Die Hängung der zehnteiligen Arbeit bildet selbst eine organisch geschwungene Form und geht in die retinale Wahrnehmung des Betrachters über."
"Im Tunnel" heißt die Arbeit von Zauri Matikashvili. Der Künstler filmt 24 Stunden von Mitternacht bis Mitternacht die Menschen im Hamburger Tunnel in Münster. Durch Umbaumaßnahmen wird der Tunnel als Durchgangspassage zwischen Bremer Platz und Bahnhofsvorplatz benutzt. Seit dem funktionierte der Tunnel als Verdichtung, eine Art Bypass, wo unterschiedlichste Menschen tagtäglich gezwungen waren, hindurchzugehen. Je nach Uhrzeit wechselten dabei die Szenerien und die Frequenzen. Scheinbar neutral folgt der Künstler mit seiner Kamera den Passanten. Die Kontaktaufnahme wechselt zwischen flüchtig und intensiv. Mit einfachen Mitteln entwickelt der Künstler eine besondere Perspektive auf die Heterogenität der Gesellschaft (in Münster) und bezieht uns als Betrachter in die faszinierende Vielschichtigkeit der Kommunikation mit ein."
2016 wurden Jannik Bergfelder, Inga Krüger und Shinah Lee mit dem Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster e.V. ausgezeichnet. Der Jury gehörten Kristina Scepanski, Direktorin des Westfälischen Kunstvereins Münster, Prof. Stefan Wissel, Künstler aus Düsseldorf und Dr. Gail B. Kirkpatrick, Leiterin der Kunsthalle Münster, an. Die künstlerische Leitung beim Aufbau der Ausstellung hatten in diesem Jahr Prof. Irene Hohenbüchler und Prof. Dirk Löbbert inne. Der Geldpreis wurde von der Jury auch in diesem Jahr zu gleichen Teilen auf die drei Positionen verteilt. Der Förderpreis wurde von Dr. Andreas Freisfeld, dem neugewählten Vorsitzenden der Freunde der Kunstakademie Münster, und von Markus Reinhard, Mitglied des Vorstandes der Westfälischen Provinzial und Schatzmeister der Freunde der Kunstakademie Münster übergeben.
An der Förderpreisausstellung 2016 nahmen teil:
Luisa Kömm, Nicolas Grafia, Jannik Bergfelder, Yui Tombana, Shina Lee, Mietje Dicke, Inga Krüger, Michael Goncalves Ribeiro, Stefan Mensching, Fabian Nehm, Lis Schröder, Malte Frey, Natali Daniluk, Chao-Kang Chung, Nicola Goerdes, Gilsuk Ko, Kenny Rüdiger, Charlotte Debs, Dominique Bradbury, MaShias Anders, Malte van de Water, Eu Sun Ko, Philip Reuver, Moritz Neuhoff, Ferdinand Uptmoor.
Jury-Statements:
"Jannik Bergfelders Skulptur "Self-Decentration-Device - Self-Centration-Device - Stand" überzeugte die Jury durch seine bildhauerische Qualität, seine humorvolle Multifunktionalität und potentielle Mobilität. Die dreiteilige Skulptur, die das Genre selbst in Frage stellt, scheint mit seinen spärlichen Materialien, prekär durch eine "seltsam" verbindende Kraft zusammengehalten. Die Jury lobte die ambivalente Energie der Arbeit, die sich selbst davor bewahrt, den Fliehkräften aus Selbstbezogenheit und Fremd-Verzettelung nachzugeben, damit vollends aus den Fugen zu geraten und auseinander zu fliegen."
"Inga Krüger erhält den Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster für ihre Arbeit "Ich freue mich, dass Sie in korrekter Erscheinung anwesend sind". Darin aktiviert sie eine mehrteilige, im Halbkreis angeordnete Installation mittels einer "Lecture Performance". Sie nimmt den Ausstellungsort der Kunsthalle in Münster und ihre Situierung mitten im Stadthafen zum Ausgangspunkt ihrer chronologischen Erzählung, die sich den Ursprüngen, Nutzungsweisen und städtebaulichen Veränderungen des Quartiers widmet. Inga Krüger verknüpft dabei auf eindrucksvolle und äußerst leichtfüßige Art und Weise Fakten mit Fiktion und freien Assoziationen. Sie wählt eine Perspektive aus der nahen Zukunft und ermöglicht damit dem Publikum einen Blick auf die Ereignisse - gleich einem Zeitstrahl - herausgelöst aus der eigenen individuellen Zeitlichkeit. Die ausgestellten Objekte dienen dabei der vermeintlichen Authentifizierung ihrer Geschichte - sind mal Relikt, mal Anschauungsmaterial. Inga Krüger gelingt es auf einzigartige Weise, den Blick auf akute Situationen und Fragen angesichts anstehender massiver städtebaulicher Veränderungen im Hafenviertel Münsters zu lenken, ohne dabei mahnend den Zeigefinger zu heben. Dabei beweist sie ein beeindruckendes Gespür für lokale Befindlichkeiten, die richtige Dosis Humor und eine eigenständige Ausprägung performativer Praxis, ohne dabei die ästhetische Dimension ihrer installativen Requisiten zu vernachlässigen. Inga Krüger hat ihre eigene künstlerische Ausdrucksweise gefunden und stellt sie mit dieser Arbeit virtuos zur Schau - das macht sie in den Augen der Jury auszeichnungswürdig."
"That's enough !!" von Shinah Lee instrumentalisiert eine profane Korridorsituation und fasst diese in einem begehbaren, interaktiven Bild zusammen. Durch ihre gezielten, unprätentiösen Interventionen, die sehr direkt aber auch subtil und kryptisch sein können, korrigiert Lee das vorgefundene Setting und schafft einen ebenso komplexen wie nonchalanten Raum. Durch eine spezifische, vom Betrachter gesteuerte Choreografie, in der die Sichtbarkeit mit dem Unsichtbaren konkurriert, rhythmisiert die Arbeit den kommunikativen Prozess sie zu lesen, die registrierten Details zu dechiffrieren, einen Kontext zu entdecken und relativiert so die Souveränität des Betrachters auf dialektische, augenzwinkernde Weise. "That's Enough" verhandelt die Dynamik der Rezeption und balanciert dabei gekonnt zwischen Konfrontation und Entzug. Lees ebenso lapidar wie präzise dosierten Eingriffe nutzen die Strategien der formalen Reduktion, wodurch sie mit großer Leichtigkeit das pragmatische Ambiente der vorgefundenen Situation infiltrieren und darüber eine temporäre Einheit herstellen."
