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Die Freunde der Kunstakademie Münster e.V. – Unser Förderverein

Die Freunde der Kunstakademie Münster sind Menschen, die sich mit Ideen, Spenden und persönlichem Engagement dafür einsetzen, die Studierenden der Akademie zu fördern und in der Kunstszene in Münster und der Region zu verankern.

Die Freunde…

  • stiften jährlich drei Förderpreise für herausragende künstlerische Leistungen von Studierenden der Akademie,
  • gewähren jungen Künstlerinnen und Künstlern Reisestipendien und unterstützen die Preisträger des NRW-Stipendiums "Cité des Arts" in Paris,
  • fördern das Jahresprogramm im Wewerka Pavillon,
  • bezuschussen Publikationen der Akademie,
  • fördern die internationalen Partnerschaften der Akademie,
  • sind wichtige Vermittler zwischen der Akademie, Münster und dem Münsterland.

Geben Sie der Kunst mehr Rückenwind! – Aufruf der Freunde

"Die jungen Künstlerinnen und Künstler der Kunstakademie Münster sind auf Ihren Einwurf, Ihr Zuspiel, Ihre Unterstützung angewiesen: Anders sind in Zeiten leerer staatlicher Kassen Ausstellungen und Installationen, Auslandsaufenthalte und Stipendien, Kataloge und Publikationen nicht zu finanzieren. Arbeiten Sie deshalb mit im Team der Freunde der Kunstakademie Münster e. V. Helfen Sie durch Ihre Mitgliedschaft, eine qualitätsvolle Künstlerausbildung zu gewährleisten. Unterstützen Sie die einzige Kunstakademie in Westfalen und tragen Sie dazu bei, die Kontakte zwischen der Akademie und der Region zu vertiefen."

Weitere Informationen:

Vorstand und Beirat

Frank Bartsch

Beiratsmitglied

Norbert Burke

Beiratsmitglied

Prof. Dr. Nina Gerlach

Beiratsmitglied

Dr. Hans-W. Gummersbach

Vorstandsmitglied

Andreas Heupel

Beiratsmitglied

Wolfgang Hölker

Beiratsmitglied

Thomas Jakoby

Beiratsmitglied

Dipl.-Ing. Rainer Kresing

Beiratsmitglied

Dr. Dagmar Kronenberger-Hüffer

Vorstandsmitglied

Immanuel Krüger

Vorstandsmitglied / Stellv. Vorsitzender

Rudolf Lauscher

Beiratsmitglied

Gro Lühn

Beiratsmitglied

Detlef Nagel

Beiratsmitglied

Dr. Thomas Niemöller

Vorsitzender

Cheryl Rathan-Schmitz

Vorstandsmitglied

Thomas Rempen

Beiratsmitglied

Katja Rott

Beiratsmitglied

Prof. Dr. Ralf Scherer

Beiratsmitglied

Markus Vieth

Beiratsmitglied

Cornelia Wilkens

Beiratsmitglied

Tilmann Winkhaus

Vorstandsmitglied

Auf Antrag unterstützen die Freunde künstlerische Projekte von Studierenden der Kunstakademie Münster.

Das ausgefüllte Antragsformular ist an das Rektorat weiterzuleiten oder dort abzugeben: rektorat[at]kunstakademie-muenster.de

Über die Förderanträge entscheidet der Verein auf seinen Mitgliederversammlungen.

Jedes Jahr vergeben die Freunde der Kunstakademie Münster e. V. drei Förderpreise. Von den künstlerischen ProfessorInnen als besonders förderungswürdig nominierte Studierende präsentieren dazu in der Förderpreisausstellung, die in der Kunsthalle Münster stattfindet, ihre Werke. Eine externe Fachjury bestimmt die drei PreisträgerInnen.
Der Förderpreis wird von der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung unterstützt. Mit der Auszeichnung verbindet sich ein Geldpreis von insgesamt 4.500 Euro, der nach Ermessen der Jury (meist zu gleichen Teilen) an die Förderpreisträger vergeben wird.



Aus den 13 künstlerischen Positionen zeichnete die Jury – bestehend aus Leonie Pfennig (Kunsthistorikerin, freie Autorin und Redakteurin, Köln), Rebekka Seubert (Künstlerische Leiterin des Dortmunder Kunstvereins) und Hanns Lennart Wiesner (freier Kurator, Berlin) – am 2.März 2021 Tuğba Durukan, Aduni Ogunsan und Yasin Wörheide mit dem Förderpreis der Freunde der Kunstakademie aus.

An der Förderpreisausstellung 2021 nahmen teil:

Robin Bolt, Petra Bresser, Tuğba Durukan, Charlotte Hilbolt, Kerstin Hochhaus, Maho Khutsishvili, Johanna Knoblauch, Peter Lepp, Aduni Ogunsan, Nette Pieters, Meike Schulze Hobeling, Mila Stoytcheva und Yasin Wörheide.

  • Preisträgerin Tuğba Durukan

  • Preisträgerin Tuğba Durukan

  • Preisträgerin Tuğba Durukan

  • Preisträgerin Tuğba Durukan

  • Preisträgerin Aduni Ogunsa

  • Preisträgerin Aduni Ogunsa

  • Preisträgerin Aduni Ogunsa

  • Preisträgerin Aduni Ogunsa

  • Preisträgerin Aduni Ogunsa

  • Preisträger Yasin Wörheide

  • Preisträger Yasin Wörheide

  • Preisträger Yasin Wörheide

  • Charlotte Hilbolt

  • Charlotte Hilbolt

  • Charlotte Hilbolt

  • Peter Lepp

  • Peter Lepp

  • Peter Lepp

  • Peter Lepp

  • Nette Pieters

  • Nette Pieters

  • Kerstin Hochhaus

  • Kerstin Hochhaus

  • Robin Bolt

  • Robin Bolt

  • Maho Khutsishvili

  • Maho Khutsishvili

  • Meike Schulze Hobeling

  • Meike Schulze Hobeling

  • Meike Schulze Hobeling

  • Meike Schulze Hobeling

  • Mila Stoytcheva

  • Mila Stoytcheva

  • Petra Bresser

  • Petra Bresser

  • Johanna Knoblauch

  • Johanna Knoblauch

Jurybegründung zu Preisträgerin Tuğba Durukan

Jurybegründung zu Preisträgerin Aduni Ogunsan

Jurybegründung zu Preisträger Yasin Wörheide



2019 zeichnete die Jury – bestehend aus Nikola Dietrich (Direktorin Kölnischer Kunstverein), Christian Katti (Philosoph, Münster) und Mario Pfeifer (Künstler, Berlin) – Aleka Medina, Daphne Klein und Lisa Tschorn mit den Förderpreisen aus.

An der Förderpreisausstellung 2019 nahmen teil:

  • Tobias Doerr
  • Natalia Filatova
  • Julia Flaswinkel
  • Marlena Gundlach
  • Daphne Klein
  • Valentino Magnolo
  • Irina Martyshkova
  • Aleka Medina
  • Daniel Saul
  • Hanna Schneider
  • Lisa Tschorn
  • Peter Volkhardt
  • Lea Marie Wächter
  • Jana Weigelt-Harth
  • Von links: Preisträgerinnen Aleka Medina, Daphne Klein und Lisa Tschorn

  • Aleka Medinas Installation »Long Limbs«

  • Daphne Klein , »Poledance Anti-Mimesis«, 2018, HD, 7´47´´

  • Lisa Tschorn, »Performance-Probleme. Learnings und Reflektionen«

  • Von links: Prof. Maik Löbbert (Rektor der Kunstakademie Münster), Merle Radtke (Leiterin der Kunsthalle), Immanuel Krüger (Stellv. Vors. FREUNDE der Kunstakademie Münster e.V.) , Christian Katti (Philosoph aus Münster), Mario Pfeifer (Künstler aus Berlin). Nicht im Bild: Nikola Dietrich (Direktorin Kölnischer Kunstverein)



Die Begründung der Jury:

Aleka Medina, »Long Limbs«, 2019, Vlies und Wolle: »Für auszeichnungswürdig hält die Jury diese poetische, leise Arbeit, die auf einen ganz anderen kulturellen, als den hiesigen Kontext verweist, der unsere Aufmerksamkeit und Anteilnahme verdient.
Im Zentrum dieser Arbeit stehen die Rechte und die Sichtbarkeit von Frauen, ihre Stimmen und ihre nach wie vor nicht ausreichend etablierte Gleichstellung in unserer globalen Gesellschaft – eine Arbeit die über Migration und Identität reflektiert.
Die Künstlerin fordert Solidarität mit jenen Frauen, die einerseits ihre Tradition nicht aufgeben wollen, aber den gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprechen können oder wollen.
Die raumgreifende Textilinstallation, bestehend aus handgenähten, an Gliedmaßen erinnernde Körperteile wie Arme und Beine, schafft durch Leichtigkeit einerseits auf traditionelle Kulturtechniken des Nähens und Webens zu verweisen. Andererseits ruft sie aktuelle soziale und politische Missstände in Lateinamerika hervor: Demonstrierende ChilenInnen die von der Polizei verprügelt und verhaftet werden. Demonstrierende MexikanerInnen, deren Töchter, Söhne und FreundInnen von Drogenkartellen ermordet oder verschleppt wurde, während die Polizeikräfte hilflos agieren. Oder Frauen in Guatemala, die gegen jahrzehntelange staatliche Gewalt, Folter und Verschleppung auf die Straße gehen.
Wir zeichnen Aleka Medinas Installation »Long Limbs« aus und hoffen, dass Sie ihre künstlerische Arbeit weiterhin kompromisslos vorantreibt.«

Daphne Klein, »Pol edance Anti-Mimesis«, 2018, HD, 7´47´´: »Daphne Klein zitiert die ikonische 360-Grad-Filmeinstellung von Michael Ballhaus aus Fassbinders »MARTHA« von 1973, in dem die Kamera das Paar, von dem sich jeder selbst nochmals um die eigene Achse dreht, bei der ersten schicksalhaften Begegnung desorientierend umkreist. (Eine 360-Grad-Einstellung charakterisiert das Verhältnis zwischen Karlheinz Böhm & Margit Carstensen.)
Daphne Klein stellt diese Kamerafahrt jedoch auf Dauer und lässt eine Poledance-Stange zur narrativen Achse eines rotierenden Bildes werden, auf dem eine ›Tänzerin‹ (eine junge Frau) sich in sichtbarer physischer Anstrengung vom Boden hebt, um in zwei farblich verschiedenen Outfits – Schwarz und Weiß – das daran anhaftende Rollenbild zu verwandeln.
Zwei Stabheuschrecken tasten sich scheinbar schwerelos in somnambuler Anverwandlung an der Metallstange entlang. Ihre rhythmischen, mimetisch schwingenden Bewegungen ahmen eine abwesende Natur nach, die ein um die Szene gebauter Green-Screen ersetzt.
Dieses anti-mimetische »tableau vivant« zwischen bildlicher Mimesis und der rotierenden Diegese der Kamera, zwischen Insekten-Mimikry einer abwesenden Natur und der physischen Schwerstarbeit an der Stange hat die Jury durch die souveräne Abstimmung formaler und inhaltlicher Konfrontationsebenen
überzeugt.

Lisa Tschorn, »Performance-Probleme. Learnings und Reflektionen«: Das Scheitern gehört zur Kunst und Künstlerexistenz schon seit jeher dazu – als Sehnsuchtsidee, von etwas, das außerhalb gesellschaftlicher Konventionen stehen kann, als Zuschreibung von außen ebenso wie als Selbstdefinition für KünstlerInnen. Der permanente Zustand des Nichterreichens oder des Nichteinhaltens von Rahmenbedingungen oder kategorialer Bestimmungen birgt auch kreatives Potential.
In einer neuen Performance arbeitet Lisa Tschorn mit der Offenlegung von ungünstigen Umständen ihrer, wie es scheint, zunächst wenig erfolgsversprechenden früheren Performances. Unter dem Titel Performance-Probleme, Learnings und Reflektionen tritt sie den Ausstellungsbesuchern bereits im Fahrstuhl auf dem Weg nach oben (dem Weg zum Erfolg?) entgegen und schildert mit Projektionen an die Fahrstuhltüre oder an die Wände der sich öffnenden Räume von einst stattgefunden Performances, von deren Durchführung, die aus diversen Gründen missglückt waren, oder kein dokumentarischen Nachleben erfuhren, weil eben etliche Faktoren und Personen am Zustandekommen und an der Verbreitung ihres künstlerischen Weiterkommens beteiligt sind.
Die lange, fast schon schwindelerregende Fahrt durch die Stockwerke – nach unten, nach oben, in den Keller, und wieder hinauf in die Ausstellungsräume – und durch die Geschichten der KünstlerIn scheint genau diesen Zustand des möglicherweise Nie-Ankommens und des Dazwischen-Schwebens fassbar und spürbar zu machen.
Wir wünschen ihr bei dem Fortgang ihrer Geschichte viel Erfolg!



2018 zeichnete die Jury - bestehend aus Anna Lena Seiser (Kuratorin Kunsthalle Düsseldorf), Dominik Sittig (bildender Künstler, Berlin) und Merle Radtke (Leiterin Kunsthalle Münster) - Javkhlan Ariunbold, Kai Bomke und Hyein Han mit den Förderpreisen aus.

An der Förderpreisausstellung 2018 nahmen teil:

Javkhlan Ariunbold, Nadine Bethke, Kai Bomke, In Hee Choo, Sarel Debrand-Passard, Adrian Ferdinand, Frederike de-Graft, Verena Gründel-Brechler, Tarabea Guastavina, Hye In Han, Niklas Heidemann, Lena Hoffmann, Pia Jauch, Judîth Kaminski, Jiyeon Kang, Peter Karpinski, Mustafa Khalaf, Lennart Kinne, Ilsuk Lee, Felipe Arturo Morinelly Sánchez, Fridolin Mestwerdt, Angelika Rauf, Sophie Rebentisch, Veronika Simmering, Helena Stegmann, Alexander Wierer.

  • Preisträgerin Javkhlan Ariunbold

  • Javkhlan Ariunbold, "Mäander", 2018

  • Preisträger Kai Bomke (Eugen Schnabel)

  • Kai Bomke, „+-+-+-+-+-+“, 2018

  • Preisträgerin Hyein Han

  • Hyein Han, "The Role of Sex", 2018



Die Jury über die Preisträger:

"Javkhlan Ariunbold hat uns überzeugt mit ihrer spezifisch für die Räumlichkeiten der Kunsthalle
entwickelten Arbeit "Mäander". Das gleichnamige Zierornament ist bekannt aus der griechischen
Antike. Das Mäanderband irritiert durch seinen Anachronismus, nimmt aber, ausgehend von
Farbigkeit und Schattenwurf der Deckenkonstruktion, gekonnt Bezug auf die Gegebenheiten des
Raums. Es hat uns beeindruckt, wie reduziert und präzise die Arbeit eine Verbindung zwischen
verschiedenen Zeiten und kulturellen Räumen schafft."

"Es braucht einen Moment des Innehaltens um Eugen Schnabels (Kai Bomke) Arbeit als solche zu erkennen. Was auf den ersten Blick wie ein Ready Made erscheint, wird durch seine Positionierung und vor allem durch die herabhängende tote Taube wieder in Zweifel gezogen. Aus dem Schnabel des Tiers
rinnt alle 40 Sekunden ein Tropfen, dessen Aufprall im Putzeimer akustisch verstärkt nachhallt.
In ihrem beiläufig scheinenden Arrangement spielt sie mit der Erwartungshaltung und gängigen
Betrachtungsgewohnheiten: obwohl sich die Arbeit eine große Offenheit beibehält, ist es eine in
sich geschlossene Komposition, die ins Poetische weist."

"Nach der Teilung Koreas im Jahr 1945 erlaubte die südkoreanische Regierung Prostitution, die zuvor illegal war, in einem Radius von zwei Kilometern vor dem US-amerikanischen Militärlager. "The role of sex" von Hyein Han behandelt die bis heute anhaltenden Auswirkungen dieses perfiden (wenn auch nicht ungewöhnlichen) Tauschgeschäfts. Dabei bringt sie Bilder aus unterschiedlichen Quellen assoziativ zusammen, um die Gegenwart zu schildern ohne diese unmittelbar abzubilden. Ein durchdringender Sound intensiviert die beklemmende Stimmung des Films. Der Einsatz von Found Footage, Animation und selbstgedrehten Sequenzen verbindet sich zu einer eigenständigen Sprache, die jenseits des Dokumentarischen Realität erzeugt."



2017 wurden Niklas Fischer, Lioba Schmidt und Zauri Matikashvili mit dem Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster e.V. ausgezeichnet. Der Jury gehörten Dr. Susanne Meyer-Büser, Kuratorin für zeitgenössische Kunst im K21, der Bildhauer Felix Schramm (beide Düsseldorf) und Dr. Gail B. Kirkpatrick, Leiterin der Kunsthalle Münster, an. Die künstlerische Leitung haben Prof. Nicoline van Harskamp und Prof. Dirk Löbbert, Kunstakademie Münster, inne. Der Geldpreis wurde von der Jury auch in diesem Jahr zu gleichen Teilen auf die drei PreisträgerInnen verteilt.

An der Förderpreisausstellung 2017 nahmen teil:

René Haustein, Philipp Höning, Christina Dunkel, Katharina-Sophie Heck, Monika Gebauer, Ayoung Woo, Bastian Buddenbrock, Jana Rippmann, Kerstin Janzen, Raol Morales, Yoana Tuzharova, Justyna Janetzek, Fabian Coppenrath, Lioba Schmidt, Zauri Matikashvili, Niklas Fischer, Juli Lee, Ruben Felix Ferdinand Gährken, Marie Samrotzki, Bastian Blau, Jörg Kratz, Jan Lukas Uptmoor, Chiemi Nakagawa, Fabian Warnsing, Benjamin Bode, Philipp Reuver.

  • Preisträger Niklas Fischer vor seiner Arbeit "Keep it up!"

  • Preisträger Zauri Matikashvili

  • Preisträgerin Lioba Schmidt vor ihrer Arbeit "Have you got any ink under your skin?"

  • Prof. Maik Löbbert, Rektor der Kunstakademie, im Gespräch mit Jurymitglied Dr. Susanne Meyer-Büser, Kuratorin für zeitgenössische Kunst im K21

  • Der Vorsitzende der Freunde der Kunstakademie Münster e.V., Dr. Andreas Freisfeld, bei der Überreichung des Förderpreises an Niklas Fischer

  • Prof.in Julia Schmidt im Gespräch mit Jurymitglied Felix Schramm



Die Jury über die PreisträgerInnen:

"Niklas Fischer schafft es mit seiner Videoinstallation "Keep it up!" unter Einsatz minimalster Mittel, Spannung zu erzeugen. Die Ausgangssituation ist denkbar einfach: Ein junger Mann zieht sein T-Shirt an und aus. Die Szene ist verdoppelt. Nur durch das Nebeneinander entsteht der Eindruck einer Spiegelsituation, die Handlungen laufen parallel. Dabei sind es einzelne Aufnahmen, die in manchen Sequenzen zusammenfallen und dann wieder völlig auseinanderdriften, z.B. gleitet in einer Einstellung das T-Shirt aus der Hand - und in der anderen nicht. Dabei bleiben Orte und Personen neutral. Es gibt keine zeitliche Verortung. Gleichzeitig berührt uns diese Szene aufgrund der menschlichen Nähe und Körperlichkeit. Das beharrliche und rhythmische An- und Ausziehen mit sehr reduzierten Mitteln verdichtet sich zu einer sinnfreien, mechanischen Tätigkeit.
Ganz anders verhält es sich in der zweiten Video-Installation, die den Torso eines Motorrads fokussiert: Rhythmus und Rhythmusverschiebung wird dort auf mechanische und körperliche Weise miteinanderverschränkt.

"Die Arbeit "Have you got any ink under your skin?" von Lioba Schmidt zeigt Fotografien von tätowierten Menschen, deren Umgebung und Köpfe durch schwarze Farbe übermalt sind. Der Betrachter ist von der Haptik der Oberflächen fasziniert, da zwischen den gestisch-schwarzen Farbaufträgen und den fotografischen Partien der Haut ein spannungsreiches Wechselverhältnis entsteht. Es geht um Oberflächen und deren Verletzlichkeit, um das Changieren zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Die Malerei wird zu einer zweiten Haut, greift aber auch auf kunsthistorische Bezüge aus der Renaissance und der Jahrhundertwende zurück. Morbide, erotische Vorstellungswelten werden ebenso berührt wie sakrale Zusammenhänge. Die Hängung der zehnteiligen Arbeit bildet selbst eine organisch geschwungene Form und geht in die retinale Wahrnehmung des Betrachters über.

"Im Tunnel" heißt die Arbeit von Zauri Matikashvili. Der Künstler filmt 24 Stunden von Mitternacht bis Mitternacht die Menschen im Hamburger Tunnel in Münster. Durch Umbaumaßnahmen wird der Tunnel als Durchgangspassage zwischen Bremer Platz und Bahnhofsvorplatz benutzt. Seit dem funktionierte der Tunnel als Verdichtung, eine Art Bypass, wo unterschiedlichste Menschen tagtäglich gezwungen waren, hindurchzugehen. Je nach Uhrzeit wechselten dabei die Szenerien und die Frequenzen. Scheinbar neutral folgt der Künstler mit seiner Kamera den Passanten. Die Kontaktaufnahme wechselt zwischen flüchtig und intensiv. Mit einfachen Mitteln entwickelt der Künstler eine besondere Perspektive auf die Heterogenität der Gesellschaft (in Münster) und bezieht uns als Betrachter in die faszinierende Vielschichtigkeit der Kommunikation mit ein."



2016 wurden Jannik Bergfelder, Inga Krüger und Shinah Lee mit dem Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster e.V. ausgezeichnet. Der Jury gehörten Kristina Scepanski, Direktorin des Westfälischen Kunstvereins Münster, Prof. Stefan Wissel, Künstler aus Düsseldorf und Dr. Gail B. Kirkpatrick, Leiterin der Kunsthalle Münster, an. Die künstlerische Leitung beim Aufbau der Ausstellung hatten in diesem Jahr Prof. Irene Hohenbüchler und Prof. Dirk Löbbert inne. Aus den 25 Einreichungen, die von den Professoren der Kunstakademie ermittelt wurde, wählte die Jury die drei Finalisten aus. Der Geldpreis wurde von der Jury auch in diesem Jahr zu gleichen Teilen auf die drei PreisträgerInnen verteilt. Der Förderpreis wurde von Dr. Andreas Freisfeld, dem neugewählten Vorsitzenden der Freunde der Kunstakademie Münster, und von Markus Reinhard, Mitglied des Vorstandes der Westfälischen Provinzial und Schatzmeister der Freunde der Kunstakademie Münster übergeben.

An der Förderpreisausstellung 2016 nahmen teil:

Luisa Kömm, Nicolas Grafia, Jannik Bergfelder, Yui Tombana, Shina Lee, Mietje Dicke, Inga Krüger, Michael Goncalves Ribeiro, Stefan Mensching, Fabian Nehm, Lis Schröder, Malte Frey, Natali Daniluk, Chao-Kang Chung, Nicola Goerdes, Gilsuk Ko, Kenny Rüdiger, Charlotte Debs, Dominique Bradbury, MaShias Anders, Malte van de Water, Eu Sun Ko, Philip Reuver, Moritz Neuhoff, Ferdinand Uptmoor.

  • v.l.: Inga Krüger, Jannik Bergfelder, Shinah Lee



Die Jury über die PreisträgerInnen:

"Jannik Bergfelders Skulptur "Self-Decentration-Device - Self-Centration-Device - Stand" überzeugte die Jury durch seine bildhauerische Qualität, seine humorvolle Multifunktionalität und potentielle Mobilität. Die dreiteilige Skulptur, die das Genre selbst in Frage stellt, scheint mit seinen spärlichen Materialien, prekär durch eine "seltsam" verbindende Kraft zusammengehalten. Die Jury lobte die ambivalente Energie der Arbeit, die sich selbst davor bewahrt, den Fliehkräften aus Selbstbezogenheit und Fremd-Verzettelung nachzugeben, damit vollends aus den Fugen zu geraten und auseinander zu fliegen."

Inga Krüger erhält den Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster für ihre Arbeit "Ich freue mich, dass Sie in korrekter Erscheinung anwesend sind". Darin aktiviert sie eine mehrteilige, im Halbkreis angeordnete Installation mittels einer "Lecture Performance". Sie nimmt den Ausstellungsort der Kunsthalle in Münster und ihre Situierung mitten im Stadthafen zum Ausgangspunkt ihrer chronologischen Erzählung, die sich den Ursprüngen, Nutzungsweisen und städtebaulichen Veränderungen des Quartiers widmet. Inga Krüger verknüpft dabei auf eindrucksvolle und äußerst leichtfüßige Art und Weise Fakten mit Fiktion und freien Assoziationen. Sie wählt eine Perspektive aus der nahen Zukunft und ermöglicht damit dem Publikum einen Blick auf die Ereignisse - gleich einem Zeitstrahl - herausgelöst aus der eigenen individuellen Zeitlichkeit. Die ausgestellten Objekte dienen dabei der vermeintlichen Authentifizierung ihrer Geschichte - sind mal Relikt, mal Anschauungsmaterial. Inga Krüger gelingt es auf einzigartige Weise, den Blick auf akute Situationen und Fragen angesichts anstehender massiver städtebaulicher Veränderungen im Hafenviertel Münsters zu lenken, ohne dabei mahnend den Zeigefinger zu heben. Dabei beweist sie ein beeindruckendes Gespür für lokale Befindlichkeiten, die richtige Dosis Humor und eine eigenständige Ausprägung performativer Praxis, ohne dabei die ästhetische Dimension ihrer installativen Requisiten zu vernachlässigen. Inga Krüger hat ihre eigene künstlerische Ausdrucksweise gefunden und stellt sie mit dieser Arbeit virtuos zur Schau - das macht sie in den Augen der Jury auszeichnungswürdig.

"That's enough !!" von Shinah Lee instrumentalisiert eine profane Korridorsituation und fasst diese in einem begehbaren, interaktiven Bild zusammen. Durch ihre gezielten, unprätentiösen Interventionen, die sehr direkt aber auch subtil und kryptisch sein können, korrigiert Lee das vorgefundene Setting und schafft einen ebenso komplexen wie nonchalanten Raum. Durch eine spezifische, vom Betrachter gesteuerte Choreografie, in der die Sichtbarkeit mit dem Unsichtbaren konkurriert, rhythmisiert die Arbeit den kommunikativen Prozess sie zu lesen, die registrierten Details zu dechiffrieren, einen Kontext zu entdecken und relativiert so die Souveränität des Betrachters auf dialektische, augenzwinkernde Weise. "That's Enough" verhandelt die Dynamik der Rezeption und balanciert dabei gekonnt zwischen Konfrontation und Entzug. Lees ebenso lapidar wie präzise dosierten Eingriffe nutzen die Strategien der formalen Reduktion, wodurch sie mit großer Leichtigkeit das pragmatische Ambiente der vorgefundenen Situation infiltrieren und darüber eine temporäre Einheit herstellen."



Die „Freunde der Kunstakademie Münster e.V.“ unterstützen die Cité-des-Arts-Stipendiaten der Kunstakademie Münster finanziell und ermöglichen so Studierenden einen 6-monatigen Aufenthalt in der Cité International des Arts Paris.

Das Atelier in der Cité International des Arts Paris wird jährlich (vorbehaltlich der Verfügbarkeit) für den Zeitraum 01.04.-30.09. sowie 01.10.-31.03. vergeben.

Weitere Informationen: